Wo die Kamera eine Zukunft hat
Nikon, Sony und Leica im Test Smartphones haben die Kamera überflüssig gemacht – zumindest fast. In manchen Bereichen aber floriert der Markt. Wir stellen drei vielversprechende Neuheiten vor.
Matthias Schüssler und Rafael Zeier
— Nikon Z8: Profitechnik für ambitionierte Amateure
Obwohl ich gern mit «richtigen» Kameras fotografiere, ertappe ich mich immer öfter dabei, dass das Smartphone meine Bedürfnisse im Alltag hervorragend bedient. Es ist immer dabei und sorgt mit allerlei Algorithmen für hervorragende Bilder selbst unter schwierigen Bedingungen: Ein weiss ausgebrannter Himmel bei hellem Sonnenschein? Das passiert beim iPhone dank den ausgeklügelten HDR-Funktionen nie!
Die vor Monatsfrist lancierte Z8 von Nikon hat indes alles, um die alte Leidenschaft an der «richtigen» Fotografie neu zu entfachen. Als kleinere «Schwester» des Topmodells Z9 war sie mit den Alltagsaufgaben, mit denen ich sie behelligt habe, komplett unterfordert: Mit dem lichtstarken Vollformatsensor mit 45,7 Megapixeln, dem schnellen Autofokus und Bildraten zwischen 20 und 120 Fotos pro Sekunde lädt sie dazu ein, sich in schwieriges Terrain vorzuwagen: journalistische Reportagen bei schwierigen bis unmöglichen Lichtverhältnissen, Sport- und Tierfotografie etwa.
Oder in den Videobereich: Nikon nennt die Z9 eine Hybridkamera, was bedeutet, dass sie genauso für professionelles Filmen geeignet ist. Die Kamera filmt nicht nur in 4k-, sondern auch in 8k-Auflösung und mit Profivideoformaten (N-Raw und Pro Res RAW), die sich auch für Kinoproduktionen eignen. Als alter Nikon-Hase komme ich mit der Bedienung sofort zurecht.
Ich schätze das ausklappbare Display, das sich nach oben und unten schwenken, aber nicht für Selfies ausklappen lässt – dieses Manko lässt sich aber kompensieren, indem man die Kamera auch via Smartphone über die Snapbridge-App fernsteuern kann. Ein Kritikpunkt in diesem Zusammenhang: Die Nikon-Kameras sind bei meinen Tests notorische Bluetooth-Verweigerer, die Verbindung per WLAN klappt – muss aber jeweils manuell eingerichtet werden. Ein weiterer Kritikpunkt: Im Vergleich zu meiner klassischen Spiegelreflex habe ich mich noch nicht an die deutlich kürzere Akkulaufzeit gewöhnt.
Trotzdem: Diese Kamera reizt zu fotografischen Grenzerfahrungen – auch wenn für mein Können die noch etwas kompaktere und leichtere Z6 ausreichend wäre. Auch was den Preis angeht: Die Z8 kostet offiziell 4599 Franken. (schü.)
Wozu einen Fotoapparat herumtragen? Dafür gibt es durchaus Gründe. Foto: Getty Images
Als Hybridkamera taugt die Nikon Z8 für professionelle Fotografie.

