Mit diesen Tricks beleben Sie Ihr verstaubtes Fotoalbum
Wie bringen Sie Würze ins familiäre Fotoalbum? Indem Sie Fotos inszenieren! Aber kein Gruppenbild, auf dem alle gequält lächeln und auf eine steife Art versuchen, locker zu wirken. Probieren Sie es stattdessen mit einer Nachstellung: Kramen Sie ein Bild hervor, das ein paar Jahre oder Jahrzehnte alt ist, und stellen Sie es nach. Die Gegenüberstellung zeigt auf einen Blick, was sich verändert hat – und was gleich geblieben ist. Besonders eindrücklich ist das, wenn auf der ursprünglichen Aufnahme ein Kind abgebildet ist, welches im «Reenactment» zur erwachsenen Person geworden ist.
Perfektion bei der Nachstellung ist keine Voraussetzung für ein Aha-Erlebnis. Doch wenn Sie es darauf anlegen, können Sie es mit einem «Tableau vivant» probieren: Das ist die Nachstellung eines bekannten Gemäldes mit echten Menschen, bei dem auch Kostüme und Requisiten gefragt sind.
Eine auf Instagram beliebte Inszenierung sind Kinder, die sich wie ihre Eltern anziehen. Die Bilder haben einen garantierten Jöö-Effekt, aber sie sind im Familienalbum besser aufgehoben als in sozialen Medien. Denn die Kinder finden es später vielleicht nicht toll, so in der Öffentlichkeit zu stehen.
Ein Filmemacher hat die Idee, das Gestern mit dem Heute zu verbinden, auf die Spitze getrieben. Frans Hofmeester hat von seiner Tochter Lotte während zwanzig Jahren jede Woche eine kurze Filmsequenz aufgenommen und daraus ein Video gemacht, in dem in fünf Minuten ein Baby zu einer jungen Frau heranwächst.
Das ist rührend und eindrücklich, aber auch etwas zeitaufwendig. Stattdessen könnten Sie sich auch vornehmen, bei jedem Familienurlaub ein Gruppenbild in der immer gleichen Aufstellung zu machen: So wechseln die Landschaft, die Kleider und (vermutlich) auch die Launen, aber die Positur bleibt.
Ein Spiel mit der Zeit ermöglicht auch die Langzeitbelichtung. Die kommt normalerweise bei schlechtem Licht zum Einsatz, aber sie kann auch bei Tag spannend sein: Wenn Sie eines oder mehrere Familienmitglieder für ein paar Sekunden an einem belebten Ort fotografieren, verschwinden die anderen Menschen in der Bewegungsunschärfe, während die Landschaft und Ihr Sujet scharf abgebildet werden. Dieser Effekt lässt auch per Smartphone erzielen; fürs iPhone bietet sich Spectre Kamera-App an, für Android Langzeitbelichtungskamera.
Die «erzwungene Perspektive» ist eine simple, aber effektvolle Täuschung. Sie hat den Effekt, dass auf einem Foto oder im Film der Vordergrund und der Hintergrund quasi zusammenwachsen. Das klassische Beispiel ist eine Person im Vordergrund, die so tut, als würde sie den Schiefen Turm von Pisa im Hintergrund stützen, indem sie ihre Hand im richtigen Winkel an dessen Kante hält. Das ist eine witzige Illusion, die auch mit Leuchttürmen, Wolken und vielen anderen Objekten funktioniert. Und es klappt auch umgekehrt, also wenn eine Person im Hintergrund zum Beispiel so tut, als würde sie aus einem Schuh im Vordergrund klettern.
Matthias Schüssler ist Digitalredaktor der SonntagsZeitung.
Wie aus der Zeit gefallen: Ein Porträt mit langer Belichtung. Foto: Getty

