Aber keiner wird es kaufen
Von Matthias Schüssler
Die Retrowelle rollt: Bärte wie in den 1970ern, Fotografieren auf Rollfilm, Musik ab Vinyl. Und jetzt ist auch die Mobilfunkwelt bereit für den nostalgischen Blick. Nokia hat an der grössten Mobilfunkmesse der Welt diese Woche das 3310 neu aufgelegt. Das Kulthandy ist zurück! Mit dem Spiel «Snake» und dem Nokia-Klingelton!
Natürlich, nur das Design und der Name erinnern an das Original aus dem Jahr 2000. Die Neuauflage hat ein Farbdisplay und einen Browser sowie eine Kamera. Immerhin bei der Batterie knüpft es an die gute alte Zeit an: Im Standby-Modus hält der Akku einen Monat lang.
Ein gelungener PR-Coup ist das nur 49 Euro teure Handy allemal. Es löste mehr mediales Echo aus als alle anderen neuen Nokia-Telefone zusammen. Und die Tech-Journalisten seufzten kollektiv: «Das waren noch Zeiten, als wir noch jung und unser Telefon noch von Nokia war.»
Doch werden die Leute das Telefon nur sentimental mustern oder auch kaufen? Es ist kein Smartphone. Es hat nur eine langsame Datenanbindung. Und wo beim Original eine Chatfunktion die grosse Neuerung war, muss die Neuauflage bei der modernen Form des Chats – Whatsapp – passen.
Das finnische Unternehmen HMD Global, das nach dem Microsoft-Übernahmedebakel hinter den Nokia-Telefonen steht, will mit dem Retro-Phone an die guten alten Zeiten anknüpfen. Das 3310 war mit 126 Millionen Verkäufen das erfolgreichste Modell seiner Zeit. Doch denkt man ans Jahr 2000 zurück, wird umso klarer, wie weit Nokias Glanzzeit zurückliegt – und wie wenig die Finnen bei den aktuellen Entwicklungen noch mitzureden haben.

