Werbeblocker verschwindet
Ublock Origin Das beliebte Programm zum Filtern von Bannern und Online-Trackern wird im Chrome-Browser bald nicht mehr funktionieren.
In Googles Chrome-Browser erscheint bei vielen Nutzerinnen und Nutzern eine Warnung. In der heisst es, bestimmte Erweiterungen würden bald nicht mehr unterstützt. Betroffen ist in vielen Fällen ein beliebter Werbeblocker. Ublock Origin existiert seit zehn Jahren und entfernt Werbebanner von Websites.
Grund ist eine Änderung, die Google schon vor längerer Zeit angekündigt hat und jetzt umsetzt. Die Neuerungen betreffen die Erweiterungen, sprich zusätzlich installierbare Softwaremodule von Drittherstellern. Sie erlauben es Usern, den Funktionsumfang des Browsers individuell zu erweitern. Google führt mit dem «Manifest V3» neue Schnittstellen ein, über die die Erweiterungen mit dem Hauptprogramm kommunizieren.
Google argumentiert, «Manifest V3» würde die Sicherheit und die Leistung des Chrome-Browsers verbessern. Da Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, das grösste Online-Werbeunternehmen der Welt ist, liegt der Verdacht nahe, dass Google mit dieser Neuerung das eigene Geschäft schützen und Werbeblockern das Wasser abgraben will. Ein Autor der Computerzeitschrift «PC World» schrieb vor kurzem, Google habe den «Werbeblockern den Krieg erklärt». Andere Stimmen weisen darauf hin, dass die Nutzung von Werbeblockern weiterhin möglich sei. Es gibt auch von Ublock Origin eine Lite-Version, die im Chrome Web Store auch zukünftig zur Verfügung stehen wird. Das Gleiche gilt auch für Alternativen wie Ghostery und Adblock Plus.
Weniger Innovation beim Datenschutz
Allerdings seien diese angepassten Versionen nicht mehr so leistungsfähig, monieren Experten. In einem Artikel von «PC World» erklärt der Technikchef bei der Datenschutz-Software Ghostery, Krzysztof Modras, das Problem: Erweiterungen könnten nicht mehr direkt auf den Netzwerkverkehr zugreifen. Stattdessen müssten sie mit einem fixen und beschränkten Regelkatalog operieren. Diese Einschränkung würde es Sicherheitsprogrammen verunmöglichen, schnell auf neue Bedrohungen zu reagieren.
Die renommierte digitale Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) urteilt hart: «Google zwingt die Entwickler, die Erweiterungen nach eigenen Anforderungen umzuschreiben, ohne dass das im Gegenzug Vorteile für die Anwender hätte. Das ist ein nutzerfeindlicher Schritt von Google.» EFF rechnet damit, dass aufgrund von Googles Marktmacht auch andere Browser die Änderungen nachvollziehen werden und die Wahlfreiheit der Nutzerinnen und Nutzer sinkt. Das scheint zuzutreffen, zumal auch die Mozilla-Stiftung angekündigt hat, das «Manifest V3» ebenfalls einzuführen – wenngleich mit gewissen Abweichungen. Trotzdem bleibt Firefox vorerst der Browser, der Nutzerinnen und Nutzern mehr Möglichkeiten zu individuellen Anpassungen lässt.
Matthias Schüssler

