PageMaker 6.5:
Bei den Frames fällt er aus dem Rahmen
Version 6.5 des PageMakers ist angetreten, um dem Konkurrenten XPress das Fürchten zu lehren. Deutlichstes Indiz hierfür: Das Adobe-Produkt unterstützt nun auch die Rahmen, welche für die Quarkianer zum täglichen Brot gehören. Doch bei näherem Hinsehen vermögen die PM-Frames nicht wirklich zu überzeugen. Lesen Sie hier, wie man die Rahmenfunktion dennoch sinnvoll einsetzen kann.
In den beiden letzten Nummern haben wir auf die Vorzüge der neuesten PageMaker-Version hingewiesen. Keine Frage – das DTP-Powerpaket hat einige langersehnte Funktionen in petto. Eins der hinzugekommenen Features soll den Graben zwischen rahmenorientiertem und freiem Layouten endgültig zuschütten und den XPress-Benützern den Umstieg schmackhaft machen: Die Rahmenfunktion.
Doch hat dieses ambitiöse Projekt Aussicht auf Erfolg? Obwohl nicht dem XPress-Lager zugehörig, sind wir in dieser Frage eher skeptisch.
Manko 1: Rahmen auf den Standardseiten sind unbearbeitbar
Das Standardseitenkonzept PageMakers sieht nicht vor, dass Elemente, welche auf den Standardseiten plaziert sind, in den einzelnen Seiten des Layouts bearbeitet werden können. Ausnahmen bilden einzig die Hilfslinien, welche mit dem Befehl «Standardhilfslinien kopieren» übernommen werden können. Fügt man nun – mit der Absicht, diese dann auf den einzelnen Seiten mit Inhalt zu füllen – Rahmen auf die Standardseiten ein, bleiben diese im Layout unbearbeitbar. Auch einen Befehl analog zum «Standardhilfslinien kopieren» sucht man leider vergebens.
Manko 2: Rahmen sind immer einspaltig
Die Rahmenoptionen des PageMakers sind – mit Verlaub – doch eher dürftig. Texte werden in den Rahmen lediglich einspaltig geführt. Schaut man sich dagegen die Textrahmenoptionen des XPress-Layouters an, wird man auch als eingefleischter Seitenmacher neidisch: Dass man die Spaltenanzahl einstellen kann, ist als absolute Selbstverständlichkeit fast nicht der Rede wert. Darüber hinaus lässt sich auch der vertikale Keil angeben. Hat man hier also Blocksatz gewählt, sorgt XPress selbsttätig dafür, dass die Spalten sowohl oben als auch unten bündig angeordnet werden; das unendliche Gefummel an den Spalten, bis «es» endlich stimmt, bleibt einem erspart. PageMaker dagegen beherrscht den vertikalen Blocksatz nicht, lediglich «oben», «Mitte» und «unten» stehen als Optionen zur Verfügung.
Enttäuschung …
Es lässt sich nicht leugnen, angesichts dieses Befunds macht sich ein wenig Enttäuschung breit. Noch immer gibt es keine einfache, elegante Lösung für Layouts, die mit einer unterschiedlichen Zahl von Spalten arbeiten. Will man beispielsweise einen vierspaltigen Kasten unter einen dreispaltigen Lauftext setzen, dann kommt man um ein mehrmaliges Verändern der Spaltenhilfslinien nicht herum. Eine gewisse Erleichterung bietet hier noch der «Hilfslinien-Manager» (Option – Plug-Ins – Hilfslinien-Manager), mit welchem sich komplexe Hilfslinienraster abspeichern und wieder zuladen lassen, doch der Weisheit letzter Schluss kann das auch nicht sein.
Sind die Rahmen also wirklich zu nichts weiter zu gebrauchen als Text in Kreise und Polygone zu setzen? Wir empfehlen, dem PageMaker weiter die Treue zu halten, und einmal folgenden Trick auszuprobieren. Statt mit den Standardseiten arbeitet man hierzu mit der Plug-In-Palette Sammlung. Diese Sammelpalette kennt der PageMaker seit Version 5 und sie ist als Archiv für Elemente aller Art gedacht, die man immer mal wieder braucht. Logos, Grafiken, Textelemente können so zentral in einer oder mehreren Sammlungen gespeichert und bei Bedarf einfach aus der Sammelpalette auf die Arbeitsfläche gezogen werden.
Gesammelte Rahmen
Um eine Rahmensammlung zu erstellen, lassen Sie sich zuerst mit dem Menübefehl Fenster – Plug-In-Paletten – Sammlung einblenden die entsprechende Toolbox anzeigen. Eine leere Sammlung legen Sie an, indem Sie in der Sammelpalette auf das Dreieck rechts oben klicken, und den Befehl «Neue Sammlung» wählen. Nun machen Sie Angaben betreffend Speicherort und Namen der Sammlung – in Ermangelung einer originelleren Idee nannten wir unsere Kollektion «Rahmen». Nun reicht ein Klick auf den Plus-Button, um alle markierten Elemente der Sammlung hinzuzufügen. Sie haben an dieser Stelle die Möglichkeit, für das Element eine Bezeichnung und Stichworte zu vergeben.
Zurück zu unserem Beispiel. Den vierspaltigen Kasten können Sie nun aus vier Rahmenelementen aufbauen und auch die umlaufende Linie anlegen. Denken Sie daran, bereits zu diesem Zeitpunkt die Verkettung der Rahmen zu definieren. Sie verketten einen Rahmen mit dem nächsten, indem Sie auf die halbrunde «Lasche» am unteren Ende ersten Rahmens klicken, als ob Sie weiteren Text positionieren wollten, und dann mit dem Verkettungssymbol auf den zweiten Rahmen klicken. Sinnvollerweise wählen Sie als Werte für den Versatz jeweils 0 mm, damit sich die Rahmen direkt an den Spaltenhilfslinien ausrichten lassen. Auch die Linienart können Sie auf «keine» setzen. Wenn Sie wollen, können Sie jetzt die Elemente des Kastens gruppieren. Vorteil hiervon: Der Kasten lässt sich so als ganzes skalieren. Markieren Sie nun den Kasten, und fügen Sie ihn der Sammlung hinzu.
Falls Sie nun diesen Kasten verwenden wollen, genügt es, ihn aus der Sammlungspalette auf das Layout zu ziehen und mit Text zu füllen. Eine Lösung, die fast so einfach und elegant ist, wie die des Quark XPress – und in gewissen Fällen sogar noch leistungsfähiger.
Matthias Schüssler
Der direkte Vergleich der Optionen bringt es an den Tag: Die Rahmenfunktion des PageMakers vermag mit Quark XPress nicht mitzuhalten.
Fast so gut wie Standardseiten: Die Sammelpalette

