Tipp

Eine App als Namensgedächtnis

Die Volkskrankheit Nummer eins ist weder Rückenschmerzen noch Sodbrennen. Nein, worunter die allermeisten leiden, ist ein betrüblich schlechtes Erinnerungsvermögen für Namen und Personen. Phil Libin, der Erfinder des Online-Notizbuchs Evernote, hat eine App entwickelt, die als Gedächtnisstütze für Gesichter und Menschen dienen soll. Statt bei einer Begegnung bloss Visitenkarten auszutauschen, macht man ein Foto der Person und registriert Kontaktdaten. Das kann man selbst tun, oder man drückt das Smartphone seinem Gegenüber in die Hand, auf dass es sich selbst ablichtet. Natürlich werden auch Zeit und Ort gespeichert. Trifft man die Person später wieder, fügt man ihrem Eintrag eine Begegnung hinzu. So ergibt sich quasi eine persönliche Begegnungshistorie.

Die Daten von Evernote Hello sind nicht nur auf dem Telefon gespeichert, sondern werden automatisch auch im eigenen Evernote-Konto in der Cloud abgelegt. Jemanden nach seiner Visitenkarte zu fragen, ist nicht im Geringsten aussergewöhnlich. Ihn zu bitten, sich per Smartphone zu fotografieren und seine Mailadresse und das Twitter-Handle zu erfassen, dagegen schon. Das könnte in weniger Smartphone-affinen Kreisen für Unbehagen sorgen. Mittelfristig dürfte diese zeitgemässere Form der Identifikation aber zweifellos ihre Anhänger finden. (schü)

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Quelle: Tages-Anzeiger, Montag, 19. November 2012

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