Für den grossen Bilder-Hunger

Aperture 3.0 punktet mit Gesichtserkennung, Geotagging und einem selektiven Retuschepinsel.

Von Matthias Schüssler

Seit fünf Jahren liefern sich Apple und Adobe ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sowohl Aperture als auch Photoshop Lightroom sind universelle Werkzeuge für Profifotografen und ambitionierte Amateure. Beide Programme versprechen schnelles Arbeiten, Übersicht bei grossen Bildmengen, vielseitige Bildbearbeitungs- und Präsentationsmöglichkeiten. In der letzten Runde hatte Lightroom mit dem Abwedeln und Nachbelichten die Nase vorn. Mit Aperture 3.0 geht nun Apple in Führung.

Die neuste Version entdeckt Personen auf Fotos. Die Gesichtserkennung funktioniert zwar nicht fehlerfrei, aber gut genug, um eine wirkliche Zeitersparnis darzustellen. Die manuelle Zuordnung bei zweifelhaften Fällen ist deutlich einfacher als bei iPhoto, wo diese Funktion zum ersten Mal zu sehen war. Auch «Orte» kennt man aus iPhoto. Bilder mit GPS-Informationen werden automatisch auf einer Landkarte positioniert. Aperture geht noch weiter und gliedert die Fotos nach Ort, Kanton oder Bezirk und Land. Wenn Foto-Touren mit einem separaten Geologger aufgezeichnet werden, verbindet die Software das Streckenprotokoll mit denFotos. Elegant lassen sich die Abweichungen korrigieren, die durch unterschiedliche Zeiteinstellungen bei Kamera und Logger auftreten können.

Zugelegt hat Aperture auch bei der Korrektur. Farb- und Belichtungsanpassungen betrafen in älteren Versionen immer das ganze Bild. Mit dem «Quick-Brush-Pinsel» trägt man Änderungen nur in Teilbereichen auf. Ebenso lassen sich die neuen Entwicklungs-Voreinstellungen, also häufig gebrauchteBildanpassungen, per Pinsel selektiv anbringen. Fast alle Arbeitsschritte sind im Modus «bildschirmfüllend» ausführbar. Dabei sind Werkzeuge und Befehlspaletten aufs Minimum reduziert und stören den Blick aufs Foto nicht.

Da immer mehr Spiegelreflexkameras auch Videos aufzeichnen, verwaltet die Mediathek neu auch bewegte Bilder. Die Videos dürfen auch in Diaschauen übernommen werden. Fotobücher lassen sich nun nicht mehr nur bei Apple, sondern auch bei Drittanbietern bestellen. Schade allerdings, dass keine Schweizer Anbieter anzutreffen sind.

Die Vollversion von Aperture 3.0 ist für 249 Franken erhältlich, das Update kostet 129 Franken.

Ferienfotobuch mit automatisch erstellter Reisekarte. Screen: TA

Quelle: Tages-Anzeiger, Montag, 22. Februar 2010

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