Software-Updates

KI: Apple zaudert, Microsoft drängt und Google trickst

Die Techkonzerne forcieren die künstliche Intelligenz auch diesen Herbst, ohne viel Rücksicht auf die User. Sind wir den KI-Turbos ausgeliefert?

Matthias Schüssler

Sie alle sehen KI als wichtige Chance (von links): Tim Cook von Apple, Satya Nadella von Microsoft und Sundar Pichai von Google.

Die grossen Techkonzerne setzen bei neuen Softwareversionen auf KI-Funktionen. Microsoft führt einen KI-Assistenten für Systemeinstellungen in Windows ein. Google entwickelt mit «Magic Cue» einen digitalen Assistenten für Chats. Die meisten KI-Neuerungen funktionieren nur auf den neuesten Gerätemodellen.

Wer hoffte, der Hype würde abkühlen, hoffte vergebens. Auch im Herbst 2025 setzen die Techkonzerne voll auf die künstliche Intelligenz. Die KI dominiert die neuen Betriebssysteme und App-Updates. Ausnahme ist nur Apple: Bei den neuen Softwareversionen für das iPhone, iPad und den Mac gibt es zwar auch neue KI-Möglichkeiten, doch sie stehen nicht im Zentrum.

Microsoft hingegen verpasst Windows die volle Dröhnung. Eine der wichtigsten Neuerungen ist der «Agent für die Einstellungen»: Statt selbst Konfigurationsänderungen vorzunehmen, werden Nutzerinnen und Nutzer Beschwerden wie «Mein Mauszeiger ist zu klein» anbringen können und dem Computer die notwendigen Anpassungen überlassen.

Microsoft weitet die «Click to do»-Möglichkeiten aus: Das sind KI-gestützte Aktionen, die über das Kontextmenü ausgeführt werden. Ein markierter Text wird zusammengefasst, übersetzt oder als Liste aufbereitet. Neu lässt sich auch eine Sitzung anberaumen oder eine Chat-Diskussion starten.

Die Click-to-do-Funktion stellt zum markierten Text Befehle zur Verfügung, die sich direkt im Browser ausführen lassen. Auch die Bilder lassen sich analog bearbeiten.

Copilot von Microsoft erklärt, wie Programme funktionieren

Der Windows-Explorer fasst neuerdings Dateien zusammen und nimmt Änderungen an Bildern vor. Die «Relight»-Funktion in der Paint-App hellt schlecht beleuchtete Fotos mit virtuellen Lichtquellen auf. Copilot Vision beantwortet Bedienungsfragen zu den Programmen auf dem Bildschirm: zu Word oder Excel und ebenso zu Anwendungen von Drittherstellern wie Photoshop. Damit Sie die Tipps direkt umsetzen können, hört dieser PC-Coach auf Ihre gesprochenen Fragen und antwortet via Lautsprecher.

Microsofts Neuerungen erscheinen gestaffelt im Verlauf des Jahres. Wie, wann und ob sie auf dem eigenen PC ankommen, hängt von mehreren Faktoren ab: von der Region, vor allem aber auch von der Hardware-Ausstattung. Viele der KI-Funktionen sind nur bei Computern der neuesten Generation verfügbar, die Microsoft Copilot+-PCs nennt. Auf älteren Rechnern kommen nur wenige Neuerungen an. Dazu zählt der PC-Coach Copilot Vision.

Googles KI als Hilfe bei der Korrespondenz

Google greift ebenfalls tief in die Trickkiste. Bei «Magic Cue» sind Anflüge eines echten digitalen Assistenten zu beobachten: Er liefert bei Anfragen in Chats oder Mails vorgefertigte Antworten – aber keine Standardphrasen, sondern Auskünfte, die auf Nutzerdaten basieren. Wenn es um Reisepläne geht, hält die KI die passenden Informationen bereit.

Der Camera Coach gibt Tipps zur Bildkomposition, Belichtung und zu den Bildstilen. Und Google bringt Warnungen an Mitteilungen an, die typische Merkmale von Betrugsversuchen aufweisen. Auch Google stellt die meisten dieser KI-Neuerungen nur auf den neuesten Geräten zur Verfügung, konkret bei den eigenen Pixel-10-Telefonen. Eine Neuerung, die allen zur Verfügung steht, ist «Nano Banana»: Sie bearbeitet Fotos anhand von Textbeschreibungen. Durch eine Aufforderung verwandeln Sie sich auf einem Selfie in einen Elf in Mittelerde.

Googles neue Bilder-KI verwandelt das Ausgangs-Selfie links anhand einiger Textinstruktionen in das Fantasy-Bild rechts.

Die Konzerne handeln aus Eigennutz

Diese Aktivitäten wirken ziel- und kopflos: Apple, Microsoft, Google und ebenso Meta bei Facebook, Whatsapp und Instagram experimentieren in alle Richtungen. Sie veröffentlichen alles, was ansatzweise marktreif erscheint. Das erinnert an die Zehnerjahre, als sie das Cloud-Computing forcierten. Schon damals war das Ziel, sich von der Konkurrenz abzusetzen.

Wie damals wittern die Konzerne die Chance, ihre Marktposition auf Dauer zu sichern. Denn je tiefer die KI-Lösungen integriert sind, desto schwieriger ist es für uns Nutzerinnen und Nutzer, zu einem anderen Produkt zu wechseln. Und es hält Drittanbieter auf Distanz, die kein Gesamtpaket aus Hardware, Betriebssystem und KI-Funktionen anbieten können.

Uns Usern drohen also neue Abhängigkeiten. Immerhin: Anders als damals bei der Cloud gibt es bei der künstlichen Intelligenz starke Dritte wie OpenAI mit Chat-GPT, Anthropic und Mistral. Es lohnt sich auf alle Fälle, mehrere Lösungen parallel zu nutzen. Und wer zuwarten will, für den gibt es einen simplen Trick: Einfach vorerst kein neues Gerät kaufen – denn auf der alten Hardware zünden die meisten dieser KI-Turbos nicht.

Quelle: Newsnetz, Freitag, 19. September 2025

Rubrik und Tags:

Link zum Original

Metadaten
Thema: SDL
Nr: 20342
Ausgabe:
Anzahl Subthemen:

Obsolete Datenfelder
Bilder:
Textlänge:
Ort:
Tabb: false