Schüssler

Whatsapp und Co.: Strategien gegen das Messenger-Chaos

Vielleicht liegt es an Ihrer kurzen Aufmerksamkeitsspanne – oder ist doch die Messenger-App schuld? Es geht um folgendes Szenario: Ihr Smartphone informiert Sie über eine neue Mitteilung bei Whatsapp, Threema, Signal oder im SMS-Posteingang. Aus Neugier lesen Sie die Nachricht. Doch Sie haben im Moment keine Zeit zum Zurückschreiben – und bleiben die Antwort schuldig.

Das Problem: Mit dem Öffnen verschwindet auch die Markierung der Mitteilung als «Neu». Sie müssen sich selbst daran erinnern, dass Handlungsbedarf besteht. Das erzeugt Druck: Schon 2016 zeigte eine Studie der Universität Mannheim, dass sich viele Messenger-User zu sofortigen Antworten genötigt fühlen.

Welche Tricks helfen gegen den Messenger-Stress? Erstens: Die Nachrichten nicht über den erstbesten Kanal abschicken. Verwenden Sie die bevorzugte App eines Empfängers oder einer Empfängerin, wenn Sie die kennen. Tun Sie Ihrerseits kund, wie Sie am zuverlässigsten zu erreichen sind. Im Facebook-Messenger geben Sie als Statusmeldung Ihre Threema-ID an. Bei Whatsapp tragen Sie Ihre Präferenz im Profil unter «Info» ein.

Wenn Sie vermuten, dass der Empfänger die Antwort nicht aus dem Ärmel schüttelt, schicken Sie eine E-Mail. Das ist auch im Messenger-Zeitalter nicht altmodisch; im Gegenteil. Als Absenderin oder Absender müssen Sie die Nachricht nicht sofort senden, sondern wählen den Zeitpunkt so, dass er – so weit sich das sagen lässt – für den Adressaten günstig ist. Bei Gmail klicken Sie nicht auf «Senden», sondern auf den Knopf mit den Sende-Optionen daneben und benutzen «Senden planen».

Analog verfahren Sie als Empfängerin oder Empfänger mit Mails, für die Sie gerade keine Zeit haben. In Gmail klicken Sie auf «Zurückstellen». Das ist der Uhr-Befehl, der in der Mail-Liste am rechten Rand erscheint. Sie geben an, wann ein günstiger Moment für die Nachricht wäre, und Gmail bringt sie passend zurück in den Posteingang. Ein ähnliches Feature existiert auch bei anderen Apps. Bei Outlook.comheisst es «Erneut erinnern» beim Rechtsklick auf eine Nachricht in der Liste.

Bei den Messenger-Apps markieren Sie unbeantwortete Nachrichten als ungelesen: So verlieren Sie sie nicht aus den Augen. In Whatsapp ist das für Einzel- und Gruppen-Konversationen möglich. Tippen Sie einen Chat in der Liste an und halten den Finger gedrückt, bis das Kontextmenü erscheint. Darin betätigen Sie den Menüpunkt «Als ungelesen markieren». Ähnlich funktioniert es auch in der Nachrichten-App am iPhone und beim Facebook-Messenger.

Bei Threema geht der gleiche Trick wie folgt: Sie wischen in der Übersicht einen Chat per Finger von links nach rechts. Es erscheinen links drei Befehle, wobei das Briefumschlag-Symbol für «ungelesen» steht. Die Stecknadel fixiert eine Konversation am Anfang der Liste, was Ihnen ebenfalls hilft, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen.

Ein universeller Messenger wäre die nachhaltigste Lösung: eine App, die alle Chats bündelt, Ihnen einen aktuellen Überblick gibt und auch ein Konversationsarchiv führt. Es gibt Apps, die das in Ansätzen versuchen. Die bekannteste ist Beeper.com. Sie integriert Whatsapp, Signal und Facebook Messenger und Instagram, Twitter, Slack und Linkedin ebenso. Am Desktop kommen auch oft Franz (Meetfranz.com) und Rambox.app zum Zug.

Leider unterstützen Whatsapp und Co. diesen Weg nicht offiziell. Es bleibt daher eine relativ wackelige Lösung, die sich nur für Intensiv-User lohnt. Und es zeigt, wie komfortabel im Vergleich das E-Mail ist, das auf einem offenen Standard basiert.

Matthias Schüssler ist Digitalredaktor der SonntagsZeitung.

Quelle: Sonntagszeitung, Sonntag, 13. Juli 2025

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