Stromverbrauch, Reparatur, Robustheit

Worauf Sie beim neuen Label für Smartphones achten sollten

Bei Telefonen und Tablets müssen ab dem 1. Juli Energieverbrauch, Effizienz und Robustheit ausgewiesen werden. Das erleichtert Vergleiche, kann aber auch zu Missverständnissen führen.

Matthias Schüssler

Weniger häufig auf die Ladestation? Das neue Energieeffizienzlabel für Smartphones gibt nicht nur den Stromverbrauch, sondern auch einige Eckpunkte zur Nachhaltigkeit an.

Smartphones tragen neu in der EU und auch in der Schweiz das Energieeffizienzlabel mit detaillierten Leistungsangaben. Die Akkulaufzeit-Angaben basieren auf standardisierten Tests, die nur wenig mit Alltagssituationen zu tun haben. Es gibt auch eine Angabe zur Reparierbarkeit, die aber nichts darüber aussagt, wie teuer eine Reparatur effektiv wäre. Das Label ermöglicht trotz Einschränkungen einen objektiven Vergleich.

Vom grünen A bis zum roten G: In den Elektrogeschäften begegnen uns die Energieeffizienzlabel überall. Sie geben für Bildschirme, Fernseher, Waschmaschinen, Lampen und für viele andere Geräte den Stromverbrauch an. Er wird anhand von fixen Grenzwerten für die entsprechende Produktgruppe ausgewiesen. Ausserdem gibt das Label auch Aufschluss über weitere wichtige Kriterien, etwa zur Geräuschentwicklung während des Gebrauchs.

Jetzt gibt es dieses Label auch für Smartphones und Tablets. Es ist seit dem 20. Juni 2025 Pflicht in der EU.

Für Geräte, die neu auf den Markt kommen, gilt es ab dem 1. Juli auch in der Schweiz. Neben der Energieeffizienz zeigt das Label auch an, wie robust das Smartphone ist, ob es sich einfach reparieren lässt und ob es Wasser und Staub verträgt. (Wie Sie Ihr Telefon retten, wenn es nass geworden ist, erklären wir hier.)

Ein Handy, das 50 Stunden durchhält?

Ein weiteres Symbol steht für die Ausdauer des Akkus: Es gibt eine Angabe, wie lange die Batterie bei voller Ladung durchhält und wie oft Sie sie aufladen können, bevor die Kapazität unter 80 Prozent fällt. Apple weist das Label mitsamt diesen Angaben für die aktuellen iPhone- und iPad-Modelle auf der Website bereits aus. Fürs iPhone 16 weist der Konzern die Energieeffizienzklasse B und eine Akkulaufzeit von 37 Stunden aus. Das Pixel 9 von Google mit Effizienzklasse A kommt sogar auf fast 50 Stunden.

Das Energieeffizienzlabel für Smartphones: 1 ist die Skala für die Energieeffizienz, auf der 2 den Wert des Geräts angibt. 3 = Batterielaufzeit, 4 = Robustheit, 5 = Anzahl Ladezyklen, bis der Akku unter 80 Prozent Kapazität sinkt, 6 = Reparierbarkeit, 7 = Widerstandsfähigkeit gegen Staub und Wasser.

«Kann das stimmen?», dürften sich viele Anwenderinnen und Anwender an dieser Stelle fragen. Kaum ein aktuelles Smartphone hält anderthalb Tage durch, ohne dass es an die Steckdose müsste. Sind diese Angaben wirklich verlässlich?

Die Krux liegt bei den Messmethoden: Die EU gibt die Verfahren detailliert vor und zielt auf eine Vergleichbarkeit. Das Prüfverfahren erfolgt ohne hinterlegtes Nutzerkonto, mit einer vorgegebenen Bildschirmhelligkeit. Innerhalb eines zu wiederholenden Zyklus wird u.a. ein Telefonanruf von vier Minuten, etwas Surfen im Web, vier Minuten Videostreaming und eine Minute Gamen simuliert, mit einer Leerlaufzeit von zwei Stunden.

Die Tücken der Testbedingungen

Die so gemessenen Werte haben wenig mit unseren realen Nutzungsbedingungen zu tun. Für den Test sollen auch keine Apps im Hintergrund laufen.

Doch genau die sind es, die bei unseren Telefonen und Tablets dafür sorgen, dass die Batterie sich unverhältnismässig schnell leert. Eine der wirksamsten Methoden, um den Akku zu schonen, besteht denn auch darin, die Hintergrundaktivitäten der Apps einzuschränken. Und auch die Hersteller haben die Möglichkeit, die Resultate positiv zu beeinflussen, indem die Software speziell für die Tests optimiert wird.

Auch mit der Reparierbarkeit ist es so eine Sache. Das Label basiert auf theoretischen Kriterien. Der Score widerspiegelt, ob Ersatzteile und Werkzeuge verfügbar sind. Nicht berücksichtigt werden die Kosten der Reparatur. Die sind bei so komplexen Geräten häufig so hoch, dass sich viele Besitzerinnen und Besitzer eines kaputten Smartphones dennoch für ein neues Gerät entscheiden.

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Ein echtes Plus für die Nachhaltigkeit

Ist das Label ein bürokratischer Auswuchs ohne Bezug zur Realität? Nein.

Der Kritik zum Trotz schafft es mehr Transparenz. Da die Hersteller ihre Tests und Deklarationen nach einheitlichen Vorgaben vornehmen müssen, können wir Konsumentinnen und Konsumenten die Angaben auch tatsächlich vergleichen. Das Smartphone mit der besseren Akkulaufzeit wird auch im Alltag länger durchhalten, selbst wenn der effektive Wert mit Vorsicht zu geniessen ist.

Ausserdem schärft das Label das Bewusstsein für die Nachhaltigkeit. Klar, wie lange das Gerät effektiv hält, kann der Hersteller nicht prognostizieren. Aber der Hinweis auf die Robustheit, zusammen mit der Kapazität des Akkus über die Zeit, gibt einen Eindruck, ob ein Gerät auf eine längere oder eher kürzere Lebensdauer ausgelegt ist.

Quelle: Newsnetz, Dienstag, 1. Juli 2025

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