Chrome, Firefox, Edge
Die KI hilft jetzt auch beim Surfen, und sie ist bisweilen wirklich nützlich
Die Browser-Hersteller haben die KI entdeckt. Hier sind die besten Tricks für Chrome, Firefox, Edge und Opera.
Matthias Schüssler
Chrome integriert künstliche Intelligenz für verbesserte Phishing-Erkennung im Browser. Microsoft Edge ermöglicht mittels Copilot gezielte Analysen von Webseiteninhalten. Operas KI-Assistent Aria hilft bei der Organisation offener Browser-Tabs. Firefox und Vivaldi setzen unterschiedliche Schwerpunkte bei KI-Integration.
Google Chrome: Mehr Sicherheit
Klammheimlich hat die künstliche Intelligenz Einzug gehalten: In Googles Browser Chrome gibt es seit einem Monat eine eingebaute KI. Allerdings operiert sie noch im Hintergrund. Gemäss Google ist sie derzeit dazu da, die Sicherheit zu verbessern: Wenn in den Einstellungen bei «Datenschutz und Sicherheit» die Option «Erweitertes Safe-Browsing» eingeschaltet ist, sucht die KI nach Anzeichen für Phishing und anderen Betrugsmaschen.
Bald wird es viele weitere KI-Features geben. Einige davon stehen zahlenden Kunden in den USA bereits zur Verfügung: Für sie fasst die künstliche Intelligenz Inhalte zusammen, passt Rezepte an persönliche Vorlieben oder gesundheitliche Bedürfnisse an und gibt in Online-Games erfolgversprechende Strategien zum Besten. Selbst die Optik des Browsers lässt sich per KI anpassen. Wann diese Funktionen für alle User bereitstehen werden, ist noch offen.
Microsoft Edge: Fragen zu Websites stellen
Microsoft ist mit seinem Browser einen Schritt weiter. In Edge läuft bereits eine KI. In der rechten oberen Ecke gibt es prominent den Copilot-Knopf: Dieser bringt eine Seitenleiste zum Vorschein, über die Sie der KI Fragen stellen und Aufträge geben können. Sie funktioniert genau so wie andere KI auch und bietet auf den ersten Blick keinen Vorteil gegenüber der Nutzung, wie wir sie uns gewohnt sind. Doch eine Besonderheit gibt es.
Copilot nimmt Bezug auf die Website, die Sie geöffnet haben. Sie können sich den Inhalt der Seite erklären, zusammenfassen oder übersetzen lassen. Und Sie dürfen Fragen wie «Wer betreibt diese Website?» stellen. Oder: «Sind diese Informationen hier verlässlich?»
Damit das klappt, müssen Sie einmalig die Erlaubnis erteilen. Klicken Sie in der Leiste auf den Knopf mit den drei Punkten, wählen Sie «Einstellungen» aus und aktivieren Sie bei «Datenschutz» die Option «Kontextinformationen».
Die Einschätzungen zur Verlässlichkeit sind, wie immer bei KI, mit Vorsicht zu geniessen. Die Urteile sind meist diplomatisch abgefasst, und Copilot gibt nicht preis, auf welchen Quellen sie basieren. Daher bleibt die Newsguard-Initiative die bessere Methode, die Vertrauenswürdigkeit einer Website einzuschätzen.
Edge hat seit einigen Jahren diese Prüffunktion eingebaut. Sie ist in der Symbolleiste über das Schild-Icon zugänglich und liefert eine redaktionelle Einschätzung. Newsguard kennt jedoch nur reichweitenstarke Internetauftritte. Copilot kann Ihnen bei einer dort nicht vertretenen Website weiterhelfen.
Opera: Das Surfen mit KI organisieren
Noch flexibler ist Aria. Das ist die KI im alternativen Browser Opera (Opera.com). Sie gibt ebenfalls Auskünfte zu geöffneten Websites, beherrscht aber noch mehr Tricks. Nutzerinnen und Nutzer können ihre offenen Websites organisieren; mit Befehlen wie: «Gruppiere alle Youtube-Reiter».
Die Aria-KI im Opera-Browser gibt auch Tipps, hier zu einer Websuche mit Google.
Firefox: Schnelle Website-Vorschauen
Beim bekanntesten alternativen Browser, Firefox, steckt die KI noch in den Kinderschuhen. Es gibt mit der Link-Vorschau immerhin eine vielversprechende experimentelle Funktion: Beim Positionieren des Mauszeigers auf einem Link erscheint eine Vorschau, ohne dass die Website geöffnet werden müsste.
Das ist hilfreich, um in einer Google-Liste die interessanten Treffer schnell zu sichten. Die KI – die auf dem eigenen Computer und nicht in der Cloud läuft – erstellt automatisch eine Zusammenfassung der Schlüsselpunkte auf der Website. Wie Sie diese Funktion aktivieren und nutzen, erkläre ich hier.
Vivaldi: Aktive Verweigerung
Es gibt auch einen Verweigerer. Im Vivaldi-Browser wird es vorerst keine KI-Integration geben. In einem Memo an die Nutzerinnen und Nutzer meinte einer der Entwickler, LLM seien nichts als «selbstbewusste Lügner mit Neigung zum Plagiieren und zu Datenschutzproblemen». Das ist plakativ formuliert, aber es weist auf ein berechtigtes Interesse hin, das bei der rasanten Entwicklung zu kurz kommt: nämlich den Nutzerinnen und Nutzern die Entscheidung einzuräumen, ob sie die KI überhaupt verwenden wollen. Falls die Antwort Nein lautet, ist Vivaldi (vivaldi.com) eine gute Wahl.

