Happy Birthday
Der grösste Zeitvernichter aller Zeiten wird 35
Ein Praktikant bei Microsoft entwickelte aus Langeweile jenes Spiel, das zum Synonym für den öden Büroalltag werden sollte: Windows Solitär kam am 22. Mai 1990 auf die Welt.
Matthias Schüssler
Wes Cherry war 27, als er 1988 ein Praktikum bei Microsoft absolvierte. Aus Langweile entwickelte Cherry ein Spiel, das heute Kultstatus geniesst. Öde war, so beteuert Cherry, jedoch nicht die Arbeit bei Microsoft: Der Konzern habe seine Praktikanten voll eingespannt.
Unterfordert fühlte er sich in seiner Freizeit. Es existierten damals fast keine Videospiele für nebenbei. Heute sind die sogenannten Casual Games ein riesiges Geschäft; gut 15 Milliarden Dollar setzten sie 2024 um. Cherrys Erfindung ist daran massgeblich schuld. Sie trainierte uns darauf, langweilige Stunden im Büro mit einem Spielchen zu vertreiben. Das ging so weit, dass 2006 in North Carolina auf Geheiss des Senators Austin Allran, Cherrys Game von 50’000 PC der Staatsverwaltung gelöscht werden musste.
In einem kurzen Interview erzählt Wes Cherry von der Entstehungsgeschichte von Solitär.
Beim Spiel handelt es sich – natürlich! – um Solitär. Es erschien erstmals am 22. Mai 1990 als Bestandteil von Windows 3.0. Bill Gates hatte zwar Bedenken geäussert, weil er die Patience-Partien für zu schwierig hielt. Das Original-Kartenspiel, so geht die Legende, wurde im 18. Jahrhundert von einem französischen Adeligen erfunden – wiederum aus Langeweile. Jedenfalls gelangte Solitär im Lauf der Jahre auf Milliarden von PC. Heute ist es standardmässig nicht mehr in Windows enthalten.
Heute gibts sogar Solitär-Turniere
Doch der Nachfolger, die Solitaire Collection von Microsoft, ist seit 2016 auch für Smartphones und Tablets erhältlich. Neben dem ursprünglichen Spielmodus «Klondike» gibt es vier weitere Varianten. Und wer über die Jahre (wie der Autor) dazu übergegangen ist, das Game nicht mehr als unschuldigen Zeitvertreib, sondern als ernsthaften Wettbewerb zu betrachten, kann sich in globalen Onlineturnieren mit anderen Solitär-Agonisten messen.
Reich wurde Cherry mit Solitär nicht. Als Praktikant erhielt er kein Geld für seine Arbeit.
Er hat aber die Befriedigung, ein universell verständliches Symbol für die Langeweile geschaffen zu haben. Denn wann immer in einem Film oder einer Serie Solitär auch nur kurz auf einem Bürobildschirm zu sehen ist, dann ist fürs Publikum der Fall klar: Hier hat einer einen wirklich drögen Job.
Der oben abgebildete Emulator für Windows 3.0 findet sich unter pcjs.org.

