Tech-Tipps für die Reise

Mit Smartphone und Laptop sicher über die Grenze

Heikle Daten löschen, Social-Media-Konten deaktivieren – oder gleich ein Wegwerfhandy kaufen? Die Empfehlungen für die Einreise in die USA oder China sind drastisch. Was ist wirklich nötig?

Matthias Schüssler

Die Einreisedokumente müssen stimmen – aber auch für die technische Ausrüstung sollte man vorbereitet sein.

Die Einreise in die USA, aber auch nach China birgt Risiken für die Privatsphäre und die mitgeführten Daten. Experten empfehlen Datensparsamkeit, d. h., nur mitzunehmen, was auch wirklich nötig ist. Spezielles Reiseequipment kann sinnvoll sein. Für China wird sogar zu Wegwerfhandys geraten. Besonders heikel ist der Umgang mit sozialen Medien.

Wie gross ist die Gefahr, dass die digitalen Aktivitäten bei der Einreise in ein Land zum Problem werden? Diese Frage stellt sich, nachdem einem französischen Wissenschaftler die Einreise in die USA verweigert worden war, weil Grenzbeamte Trump-kritische Nachrichten auf seinem Telefon gefunden hatten. Neu sind derlei Kontrollen indes nicht: Schon 2017 wies die digitale Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) auf einen starken Anstieg der Kontrollen von Handys und Smartphones hin.

Die wichtigste Regel für alle: Datensparsamkeit

Die US-Grenzbeamten dürfen nicht nur den Koffer, sondern auch die Geräte der Passagiere ohne Durchsuchungsbefehl untersuchen. Darauf muss man vorbereitet sein, sagt EFF. Wie, legt sie in einem fast 40 Seiten starken Dokument dar: Zentrale Empfehlung ist, nur Daten mitzuführen, die wirklich nötig sind. Das heisst: Private Fotos, heikle Daten oder der Browser mit gespeicherten Log-ins zu allen Social-Media-Konten und ausführlichem Surf-Verlauf sollten vorab gelöscht bzw. auf eine Festplatte ausgelagert und nach der Rückkehr wiederhergestellt werden.

Spezielles Reiseequipment

Da das mit viel Aufwand verbunden ist, bietet sich spezielles Reiseequipment an. EFF empfiehlt ein günstiges Chromebook oder besser einen ausrangierten Laptop. Er hat den Vorteil, dass er den Eindruck erweckt, auch tatsächlich in Gebrauch zu sein: Ein brandneues oder auf den Werkzustand zurückgesetztes Gerät hingegen kann als Versuch gewertet werden, den digitalen Fussabdruck zu minimieren.

Wegwerfhandys

Für eine Reise nach China wird das Wegwerfhandy jedoch nachdrücklich empfohlen. Der deutsche Verfassungsschutz rät, die unterwegs genutzten Geräte nach der Rückkehr auf Schadsoftware zu prüfen oder sogar zu entsorgen. Es besteht nämlich die Gefahr, dass Spionagesoftware eingeschleust wurde. Ausserdem müsse man die unterwegs genutzten Zugangsdaten abändern.

Ein Grenzkontrollbeamter am internationalen Flughafen Yantai Penglai in der ostchinesischen Provinz Shandong.

Problematisch sind auch VPN-Apps. Die ermöglichen zwar den Zugang zu Websites, die durch die «Great Chinese Firewall» blockiert werden. Doch sie erregen behördlichen Verdacht.

Starke Passwörter und keine Biometrie

Zu den Reiseempfehlungen zählt die allgemeine Sicherheit: Verwenden Sie die Geräteverschlüsselung und starke Passwörter. Das ist nicht nur im Ausland sinnvoll, sondern hilft generell als Diebstahlschutz. Die EFF empfiehlt ausserdem, die biometrischen Methoden zur Entsperrung der Geräte (Fingerabdruck, Gesichtserkennung) abzuschalten und die Geräte herunterzufahren. Ein Artikel des Onlinemagazins «The Verge» erklärt den Grund: Gerichte haben entschieden, dass die US-Polizei Sie nicht zwingen kann, Ihre Passwörter preiszugeben. Aber sie darf ein Gerät auf biometrischem Weg entsperren, indem sie es Ihnen z. B. vors Gesicht hält.

Keine Tricksereien

Und was ist mit technischen Tricks? Es existieren Möglichkeiten, digitale Informationen auf dem Gerät zu verstecken. Eine Methode ist, sensibles Material auf einem geheimen Laufwerk zu platzieren. Davon sollten Sie die Finger lassen: Solche «verschwiegenen» Daten würden als Lüge gegenüber den US-Einwanderungsbeamten aufgefasst und drastisch bestraft. Eine Alternative ist, sich wichtige Daten auf einem (natürlich verschlüsselten) Datenträger ins Hotel zu schicken – allerdings mit dem Risiko, dass er verloren gehen könnte.

Vorsicht mit sozialen Medien

Bei den sozialen Medien wird es knifflig: Die Beamten dürfen nach X-, Facebook- und Instagram-Accounts fragen und diese mit ihren eigenen Geräten sichten. Sie zu verschweigen, ist wiederum nicht ratsam. Sie können die Accounts vor der Reise auf Privat stellen. Es liegt auf der Hand, dass das wiederum Verdacht erregt. Wenn Sie auf X (vormals Twitter) ein vehementer Trump-Kritiker sind, könnte das dennoch das kleinere Übel sein. Manche schlagen einen harmlosen Zweit-Account vor. Diese Methode funktioniert nur dann, wenn der Haupt-Account nicht eindeutig zuzuordnen ist.

Es bleibt dabei: Die Art und Weise, wie soziale Medien an der US-Grenze gegen Reisende benutzt werden können, ist nicht mit dem Grundwert der freien Meinungsäusserung vereinbar.

Quelle: Newsnetz, Donnerstag, 8. Mai 2025

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