Software-Friedhöfe

Skype ist nicht die einzige App, die Microsoft killt

Die Telefonie-App wird im Mai abgestellt. Doch das Ende von Windows 10 im Herbst dürfte bei weitem einschneidender sein.

Matthias Schüssler

2006, drei Jahre nach der Gründung, war Skype ein Synonym für Internettelefonie.

Microsoft schaltet im Mai Skype ab und markiert damit das Ende einer Ära. Skype verlor an Bedeutung durch Konkurrenz wie Whatsapp, Facetime und Zoom. Noch grösser wird der Einschnitt im Oktober sein, wenn Windows 10 eingestellt wird. Ältere Computer sind oft nicht für Windows 11 kompatibel.

Skype ist ein Meilenstein des Internets. Es war zwar schon vorher möglich, online zu telefonieren. Doch den beiden Unternehmern Niklas Zennström und Janus Friis gelang es 2003, dieser neuen Kommunikationsform den Schrecken zu nehmen. Sie setzten auf eine Technik, die zuvor von der Musiktauschbörse Kazaa benutzt worden war. 2005 wurde das Start-up von Ebay übernommen und 2011 ging es an Microsoft.

Für viele von uns markiert Skype den Beginn der Videotelefonie. Doch trotz der guten Ausgangslage kam die App immer weiter unter Druck: Bei Whatsapp und Facebook Messenger kamen die Sprachanrufe dazu, Apple lancierte Facetime und von der Pandemie profitierte Zoom und nicht Skype.

Das hat sich Microsoft selbst zuzuschreiben: Microsoft konnte seine diversen Kommunikations-Apps wie Lynx, Skype for Business und später Teams nie klar voneinander abgrenzen. Vor fünf Jahren sollte Skype mit den Stories sogar zu einer Art sozialem Netzwerk umgebaut werden.

Skype hat noch immer seine Berechtigung

Im Mai wird Skype abgeschaltet. Das reflektiert die rasante technische Entwicklung. Bedauerlich ist es trotzdem. Skype ist noch heute die beste Wahl, um kostengünstig mit Menschen in Kontakt zu treten, die mit Computer und Smartphone nicht zurechtkommen. Per App lassen sich nämlich Handy- und Festnetznummern anrufen, wobei auch im Ausland der Ortstarif verrechnet wird.

Im Vergleich zu anderen Techunternehmen hält Microsoft seinen Produkten lange die Stange. Anders als Google: Ein aufmerksamer Beobachter hat festgestellt, dass der Suchmaschinenkonzern 2024 eine bemerkenswerte Marke überschritten hat: Er hat inzwischen mehr als die Hälfte der lancierten Produkte auch wieder eingestellt. Nicht einmal bei Prestigeprojekten kennt er Skrupel. Beispiel bei Google Loon. 2011 gestartet und 2021 abgesetzt, hätten Heliumballons in der Stratosphäre entlegene Gebiete mit Internetzugang versorgen sollen.

Das Ende von Sway wäre zu verschmerzen

Es gibt weitere Microsoft-Programme, die 2025 vom Schicksal ereilt werden könnten. Eines, das nur ein paar eingefleischte User vermissen würden, ist Sway. Diese Software wurde 2014 als moderne Variante von Powerpoint lanciert. Mit ihr lassen sich Geschichten mittels Text, Bildern, Audio und Video erzählen, die sich nicht nur als Präsentation, sondern auch über andere Kanäle verbreiten lassen. Eine gute Idee, die nie Fuss gefasst hat. Es bleibt offen, ob Microsoft zu wenig an die neue App glaubte oder die User zu sehr an Powerpoint hängen.

Sway ist Microsofts 2014 lancierte Storytelling-App.

Der grosse Knall folgt dann im Herbst: Am 14. Oktober 2025 wird Microsoft Windows 10 aus dem Verkehr ziehen. Das kommt nicht als Überraschung, denn der Termin steht seit 2021 fest. Trotzdem dürfte das viele Nutzerinnen und Nutzer auf dem falschen Fuss erwischen: Die vorletzte Version des Betriebssystems hat gemäss neuesten Zahlen noch immer einen globalen Marktanteil von 58,7 Prozent.

Millionen von Leuten müssen neue PCs kaufen

In der Schweiz ist der Nachfolger weiter verbreitet. Dennoch werden auch hierzulande viele Leute vor eine unangenehme Wahl gestellt. Denn viele ältere Computer lassen sich nicht aufrüsten, weil Windows 11 deutlich höhere Ansprüche an die Hardware hat. Wie gross der Berg an Elektroschrott sein wird, lässt sich schwer quantifizieren. Nach Schätzungen sind es allein in Deutschland um die 32 Millionen PCs.

Das Ende von Windows 10 bedeutet für viele die Anschaffung eines neuen Computers mit Windows 11.

Die Wahl lautet: mit einem nicht aktualisierten Betriebssystem weiterarbeiten und ein beträchtliches Sicherheitsrisiko einzugehen oder aber einen neuen Computer zu kaufen. Eine Alternative besteht darin, auf ein alternatives Betriebssystem wie Linux Mint umzusteigen, das weiterhin Updates bekommt. Das ist jedoch nicht trivial.

Microsoft verscherzt es sich 2025 somit nicht nur mit den Skype-Fans, sondern auch mit den eingefleischten Windows-10-Usern. Und auch wenn es in der digitalen Welt keine Garantie gibt, dass sich ein Produkt «ewig» nutzen lässt, so ist das Ende im Fall von Windows etwas pikant. Im Mai 2015, bei der Lancierung, gab Microsoft-Manager Jerry Nixon das Versprechen ab, Windows 10 werde die letzte Version des Betriebssystems sein.

Quelle: Newsnetz, Freitag, 7. März 2025

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Thema: SDL
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