20 Jahre in Zürich

Zum Jubiläum wünscht sich Google Schweiz mehr KI-Euphorie

Etwas Nostalgie und viel Optimismus für die Zukunft: Google schaut an der Feier des ersten Entwicklungs­standorts in Europa vorwärts.

Matthias Schüssler

Von links: Google-Urgestein Urs Hölzle, Lens-Ingenieur Ralph Keller und Reto Strobl, Chef der Videowerbung bei Youtube, schwelgen in Erinnerungen zu 20 Jahren Google Schweiz. Auf der Leinwand links das Team von Google Maps, rechts die Youtube-Truppe.

Vor zwanzig Jahren eröffnete Google am Limmatquai in Zürich ein Büro, die Schweizer Niederlassung war auch der erste Entwicklungsstandort in Europa. Dieses Jubiläum feierte der Suchmaschinenkonzern am Montag mit einem Medienanlass in Zürich. An dem gab es Anekdoten aus der Anfangszeit zu hören. Doch wichtiger als der Blick zurück war, die Verbindungen des Suchmaschinenkonzerns mit der hiesigen Wirtschaft und dem Forschungsstandort zu bekräftigen.

Im «Zukunftspanel» ging es dann darum, was sich Google Schweiz zum Geburtstag wünscht: mehr Begeisterung für die künstliche Intelligenz und den Willen, sich mit Grundlagenforschung zu profilieren.

Vier Europäer entschieden sich für die Schweiz

Den Auftakt des nostalgischen Teils machte ein «10 vor 10»-Beitrag, in dem Moderator Stephan Klapproth von der «Suchmaschine mit dem lustigen Namen» erzählte und im Beitrag erläutert wurde, wie die wichtigste Aufgabe 2004 die Personalrekrutierung war. Urs Hölzle, selbst einst Student an der ETH, war als Abgesandter aus dem Silicon Valley an einer ETH-Jobmesse vor Ort, um Informatiktalente anzuwerben.

Urs Hölzle begutachtet seinen Fernsehauftritt beim SRF vor zwanzig Jahren zum Start von Google Schweiz.

Urs Hölzle, der Mitarbeiter Nummer 8 von Google und lange Zeit Mitglied von Googles Führungsriege, war beim Jubiläumsanlass zugegen und erläuterte, wie der Standortentscheid damals getroffen worden war: Vier aus Europa stammende Google-Mitarbeiter hätten sich für die Schweiz entschieden, obwohl – oder vielleicht auch weil – keiner selbst aus der Schweiz kam.

Zu den weiteren Anekdoten gehörte die Erzählung, wie die Computerracks für die Server am ersten Sitz am Zürcher Limmatquai nicht durchs Treppenhaus gepasst hätten. Und Reto Strobl, heute verantwortlich für Videowerbung, reminiszierte, dass er wegen eines persönlichen Projekts einmal bei Larry Page antraben musste: Strobl hatte ein Umfragetool entwickelt, mit dem die Internetnutzerinnen und -nutzer in basisdemokratischer Manier ihre Meinung zum Ausdruck bringen konnten. Page fand daran keinen Gefallen: Sie seien hier, um die Welt zu verändern, beschied ihm der Google-Gründer. Mit dem Kauf von Youtube kurze Zeit später erhielt der Schweizer die Gelegenheit, richtig gross zu denken.

Ein Grüezi von Google-Chef Sundar Pichai

Zu den Gratulanten zählte auch der CEO von Google. Sundar Pichai war nicht persönlich anwesend, sondern meldete sich per Videobotschaft: Nach einem flotten «Grüezi» drückte er den Stolz auf einige der Produkte aus, die in Zürich mitentwickelt werden. Zu denen zählen die visuelle Suche mittels Google Lens und Google Maps. Und er meinte, er sei froh um die prägende Rolle, die die Schweizer Niederlassung bei der künstlichen Intelligenz innehabe.

Das Zukunftspanel mit Urs Hölzle, Google-Schweiz-Chefin Christine Antlanger-Winter, ETH-Präsident Joël Mesot, Monika Rühl von Economiesuisse und Moderatorin Pia De Carli von Google.

Die KI war auch das Stichwort für den zweiten Teil: Beim «Zukunftspanel» ging es darum, wie Google und Vertreter aus der Schweizer Wirtschaft und Forschung sich die gemeinsame Zukunft vorstellen. Den Ton setzte Monika Rühl von Economiesuisse: Sie betonte, die Schweiz müsse ihre gute Ausgangslage nun auch nutzen, indem sie auf den KI-Zug aufspringe. Sie meinte dies auch in deutlicher Abgrenzung zur EU, die zu sehr auf Regulierung setze. Die Schweiz solle sich stattdessen auf die bestehenden Richtlinien abstützen und wo nötig Lücken schliessen.

Die Chefin von Google Schweiz, Christine Antlanger-Winter, wies auf den Nutzen des Unternehmens für die Schweizer Unternehmenslandschaft hin: In den letzten Jahren hätten 110 Googler hierzulande Start-ups gegründet.

Chancen kann man auch verpassen

ETH-Präsident Joël Mesot bekräftigte, seine Hochschule sei mit dem AI Center gut aufgestellt. Seit September sei auch der Supercomputer Alps in Betrieb, der mit über 10’000 Nvidia-Prozessoren ausgestattet sei – auch wenn das «aus Google-Sicht nach wenig klingt». Er wolle den Wissens­transfer zur Wirtschaft beschleunigen und gab sich überzeugt, dass von der Zusammenarbeit mit Google auch die Gesellschaft profitiert.

KI, meinte Hölzle, sei eine Riesenchance für die Schweiz, ihre Innovations­geschichte fortzuschreiben: «Aber manchmal vergessen wir in der Schweiz, dass wir eine Chance auch verpassen können.»

Quelle: Newsnetz, Dienstag, 26. November 2024

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