Schüssler

Strava, Whatsapp und Tinder – aber für den Familienhund

Brauchen Hunde ein soziales Medium wie Facebook und eine Sport-Community wie Strava? Die Macherinnen und Macher der neuen Schweizer App Fleatiger haben – so sind sie überzeugt – eine Marktlücke entdeckt. Es gibt zwar Apps zum Tracken oder als Erziehungshilfe. Aber den sozialen Aspekt stellt bislang keine in den Vordergrund.

Die Idee sei entstanden, als sie ein Hundebaby in der Familie gehabt hätten, erzählt Peter Fischer: «Alle wollten wissen, was er den ganzen Tag unternimmt, welche anderen Hunde er bei den Spaziergängen trifft, wie viel er herumrennt oder was er essen sollte.» Wie in einer App für Menschen werden die Aktivitäten aufgezeichnet, Fotos gespeichert und Erfolge registriert. «Wichtig war uns, dass der Hund seine eigenen Freunde haben kann, weiss, wo sie sich aufhalten und mit ihnen chatten kann.»

Moment: Wie kann der Hund mit seinen Freunden chatten? Das funktioniere wie in Whatsapp oder anderen Messengern, erklärt Fischer: Die Chat-Funktion funktioniere «von Hund zu Hund», indem eine Freundschaftsanfrage gestellt und angenommen werde. Dann können die Hunde Nachrichten austauschen – eventuell mit etwas menschlicher Unterstützung. Ist es ein erwünschter Effekt, dass sich auch die Menschen näherkommen? Ja, meint Fischer. Fleatiger solle nicht nur Hunde, sondern auch gleich gesinnte Besitzerinnen und Besitzer verbinden.

In der App lassen sich mehrere Hunde mit separatem Profil eintragen. Jedes Tier hat seinen eigenen Bereich, inklusive Freunde und Chats. Die Aktivitäten werden entweder manuell eingetragen, per Telefon oder über einen Sensor erfasst: Der Fleatag kostet 75 Franken, wird am Halsband, am Körpergeschirr oder an der Leine befestigt und registriert Bewegungen und per GPS den Standort. Neben dem sozialen Aspekt und dem Tracking gibt die App auch den Kalorienbedarf an, der anhand der Aktivitäten, der Rasse, Alter und Grösse berechnet wird.

Die Fleatiger-App ist seit Juni 2024 erhältlich. Sie wurde während zweier Jahre von einem globalen Team von zwölf Leuten entwickelt, die sich vorher aus unterschiedlichen beruflichen Konstellationen kannten. Lanciert wurde sie vorerst mit Fokus auf die Schweiz und die USA, doch weitere Länder sollen folgen: «Selbstverständlich träumen wir davon, die App als eine der erfolgreichen Dog- oder Haustier-Apps zu etablieren», sagt Peter Fischer, der in Cham ein IT-Beratungsunternehmen leitet.

Als Katzenmensch kann ich leider kein Fazit des eigenen Hundes beisteuern. Doch den Ansatz, die Tiere als Nutzer und nicht bloss als Objekt zu betrachten, finde ich so frech wie charmant. Das ist eine kreative Idee in einem Bereich, in dem es längst eine riesige Auswahl gibt. Zu den bekanntesten Apps zählen Dogo fürs Training, Tractive für die Überwachung nicht nur von Hunden, sondern auch von Katzen, und Dog’s Places: Diese App zeigt hundefreundliche Orte wie Spielwiesen und Tierarztpraxen in der Umgebung an.

Beim Test zeigte Fleatiger noch Stabilitätsprobleme und ist auch mal abgestürzt. Schade ist, dass die App mit Schweizer Ursprung bislang nur englische Programmtexte anzeigt – da sich auch Kinder gern an der digitalen Betreuung beteiligen würden, ist das ein Manko. Die App lässt sich mit den Grundfunktionen kostenlos nutzen. Für alle Funktionen gibt es zwei Abos: Starter für 8.90 Franken pro Monat und Premium für 14.90 Franken im Monat.

Käme bei einem Erfolg auch eine Erweiterung auf andere Tierspezies infrage? Fischer will vorerst die Funktionen ausbauen, namentlich für einen Gruppenchat, mit dem sich etwa der Morgenspaziergang organisieren liesse.

Matthias Schüssler ist Digitalredaktor der SonntagsZeitung.

Quelle: Sonntagszeitung, Sonntag, 29. September 2024

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