Ihre Passwörter gehen Ihren Partner nichts an
Passwörter zu teilen, ist in einer Beziehung die Regel. Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage der IT-Sicherheitsfirma Malwarebytes besagt, dass 85 Prozent der Teilnehmenden den Zugang zu mindestens einem Konto in der Partnerschaft teilen. Die Erhebung eines VPN-Herstellers vor drei Jahren kam zu einem ähnlichen Ergebnis (81 Prozent). Bei der Generation Z, den zwischen 1997 und 2012 Geborenen teilen sich gar über 95 Prozent die Zugangsdaten. Oft nutzen Pärchen aus Pragmatismus die gleichen Konten: Es ist günstiger und einfacher, wenn jeder das Passwort fürs Netflix-, Spotify- oder iCloud-Konto kennt. Aber oft wird die Offenheit auch als Vertrauens- und Liebesbeweis verstanden: Wer nichts zu verbergen hat, muss auch das Mailpasswort oder den Handy-Sperrcode nicht verheimlichen.
Diese Annahme ist grundfalsch. Gemäss der Umfrage von Malwarebytes bereuen es 30 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen, ihre Daten geteilt zu haben. Viele fühlten sich unter Druck gesetzt (55 Prozent in der Generation Z, 32 Prozent bei den älteren Generationen). Wenn die Beziehung auseinandergeht, wird das Auseinanderdividieren der digitalen Leben knifflig.
Auch in intakten Beziehungen ist die Gefahr von Fehlinterpretationen gross. Manche Whatsapp-Nachrichten oder Aktivitäten in sozialen Medien erklären sich nur anhand einer oft unbekannten Vorgeschichte. Überhaupt sind die Grenzen zwischen Anteilnahme und Kontrollsucht bei solchen «Inspektionen» fliessend.
Also: Teilen Sie weder den Handy-Sperrcode noch den Code für den Computer. Erläutern Sie, dass Ihr Arbeitgeber auf den Schutz der vertraulichen beruflichen Informationen auf Ihrem Gerät besteht. Weisen Sie darauf hin, dass es längst hervorragende Methoden gibt, digitale Ressourcen gemeinsam zu nutzen, ohne die Passwörter zu teilen.
Der bessere Weg ist oft eine Freigabe. Ob Fotos, Dateien, Kalender, Notizen oder Kontakte: Das alles können Sie gezielt für andere freigeben. Leider gibt es aber keine universelle Methode. Beim iPhone ist das komfortabel gelöst: In den Einstellungen bei der Apple-ID finden Sie die Familienfreigabe. Über die nutzen Sie Fotos, Apps oder auch einzelne Passwörter mit Ihren Bezugspersonen.
Eine Freigabe kann jederzeit beendet werden. Beim iPhone ist das sogar notfallmässig für den Fall akuter Konflikte möglich: bei den Einstellungen unter «Datenschutz & Sicherheit» bei «Sicherheitsprüfung». Bei Gmail öffnen Sie den Zugang zum Postfach, ohne das Passwort zu verraten. Das tun Sie über das Zahnrad-Symbol, den Befehl «Alle Einstellungen aufrufen» in der Rubrik «Konten & Import» bei der Option «Folgenden Nutzern Zugriff auf mein Konto geben». Die Berechtigung können Sie jederzeit widerrufen.
Geräte lassen sich so gemeinsam nutzen, dass die Privatsphäre gewahrt bleibt. Bei Windows, Mac und Android richten Sie für jedes Familienmitglied ein separates Nutzerkonto ein. Es gibt auch die Möglichkeit eines Gastzugangs, der sich leicht auf den Ursprungszustand zurücksetzen lässt. Für gemeinsame Dokumente gibt es bei Windows und Mac den «öffentlichen Ordner»: Auf das, was dort gespeichert ist, können alle zugreifen – alles andere bleibt bei persönlichen Nutzerkonten getrennt.
Und natürlich gibt es auch Apps für Pärchen, ihre Beziehung und gemeinsamen Geheimnisse: Myndpaar (iPhone, Android), Lovewick (Android) und Happy Love (iPhone).
Matthias Schüssler ist Digitalredaktor der SonntagsZeitung.

