Wie das Smartphone beim Kochen hilft
Rezepte-Apps und Kochbücher haben eines gemeinsam: Von beiden gibt es ein Überangebot – und nur wenige treffen den persönlichen Geschmack. Da gibt es die Apps, die uns eine schnelle Antwort auf die stets wiederkehrende Frage versprechen, was wir denn heute kochen sollen. Die App «Chefkoch» erlaubt es jedem Hobbykoch, seine Lieblingsrezepte zum Besten zu geben. So gross die Auswahl ist, so inkonsistent die Qualität – vor allem die Fotos zu den Rezepten wecken oftmals weniger den Gluscht als vielmehr die Motivation für eine Nulldiät.
«Kitchen Stories» weckt kulinarische Gelüste. Diese App ist eine Art Kochmagazin, bei dem es zwar auch Nutzerbeteiligung gibt, bei dem aber die Beiträge der Redaktion im Zentrum stehen.
Auch für unsere eigenen Lieblingsrezepte gibt es eine App. Die heisst «Mela», kostet fünf Franken und gehört zu den Küchen-Hilfsmitteln, die man sofort ins Herz schliesst. Mit «Mela» ist es kein Aufwand, Rezepte aus Kochbüchern zu digitalisieren. Die App erfasst sie über die Kamera: Sie erkennt Buchseiten automatisch und fotografiert sie. Als Hilfe markieren Sie die einzelnen Textblöcke, in denen die entscheidenden Informationen stehen. Daraufhin führt die App eine Texterkennung durch und teilt die Informationen in die Einkaufsliste und die Kochanleitung auf.
Das funktioniert gut, aber nicht perfekt. Es sind gelegentlich manuelle Korrekturen notwendig, die aber verschmerzbar sind, wenn man sich überlegt, wie gross der Aufwand wäre, wenn man das Rezept abtippen müsste. Zu jedem so erfassten Rezept darf man auch die Quelle und die Kochzeit ergänzen. Und Sie sollten eintragen, für wie viele Mäuler das Rezept gedacht ist: Da die App Mengen- und Gewichtsangaben im Rezept als solche erkennt, können Sie diese über einen Schieberegler für eine beliebige Personenanzahl anpassen.
Sie können Rezepte auch aus dem Internet importieren. Zu diesem Zweck tippen Sie auf den «Browser»-Knopf und navigieren dann zur gesuchten Seite im Netz. Sobald Sie dort angekommen sind, zeigt die App das Label «Rezept gefunden» an, das durch Antippen den Import vornimmt. Sie dürfen Rezepte als Favorit markieren, über eigene Kategorien verwalten und in einen Kalender eintragen. Auf diese Weise planen Sie, was Sie wann kochen wollen. Und es gibt eine Einkaufsliste, in die die Zutaten aller eingeplanten Rezepte übernommen werden, sodass Sie sie in einem Rutsch einkaufen.
Auch als Kochhilfe überzeugt die App. Sie zeigt die Anweisungen dann Schritt für Schritt, wobei Sie bloss aufs Display zu tippen brauchen, um zur nächsten Instruktion zu wechseln. Wenn im Rezept eine Zeitangabe wie «25 Minuten überbacken» steht, dann tippen Sie diese an, woraufhin ein Timer startet. Für Android gibt es die «Mela»-App leider nicht. Als Alternativen bieten sich «Paprika Recipe Manager» oder «Cookmate» an.
«Supercook» ist für Leute, die lieber improvisieren als planen. Die App hilft dabei, die Lebensmittel zu verarbeiten, die der Kühlschrank und die Speisekammer gerade noch so hergeben. In dieser App müssen Sie erst alle Lebensmittel eintragen, die Sie verfügbar haben, Und zwar wirklich alles ausser Wasser, Salz und Pfeffer, «auch die alte Flasche Worcestershire-Sauce in der hintersten Ecke des Kühlschranks», wie es in der Anleitung heisst.
Daraufhin präsentiert die App Rezepte, die mit diesen Beständen möglich sind. Die Liste lässt sich nach Hauptzutat und Art der Mahlzeit (z. B. Frühstück oder Hauptgericht) filtern und nach Anzahl Zutaten, nach Diät oder Bewertung sortieren. Das lädt nicht nur zum Improvisieren ein, sondern wirkt auch der Lebensmittelverschwendung entgegen.
Matthias Schüssler ist Digitalredaktor der SonntagsZeitung.

