Software-Versionen
Chrome wird 100
Googles Browser hat eine dreistellige Versionsnummer. Ist das ein greifbares Zeichen für Fortschritt oder bloss Marketing? Und sind Apples sprechende Produktnamen besser?
Matthias Schüssler
Nach knapp zwölf Jahren und unzähligen Versionen ist es so weit: Google hat bei seinem Browser die Versionsnummer 100 erreicht. Seit Dienstag wird diese Version über die Update-Funktion ausgeliefert.
Nun würde man annehmen, dass sich Google für diesen Meilenstein etwas habe einfallen lassen: eine grossartige neue Funktion, einen technologischen Durchbruch – ein greifbares Zeichen des unaufhaltsamen Fortschritts, das uns Nutzer in Feierlaune versetzt.
Aber nein: Die Verbesserungen sind so marginaler und technischer Natur, dass sie an dieser Stelle noch nicht einmal aufgezählt werden müssten. Die einzig nennenswerte Neuerung ist das überarbeitete Logo. Doch auch bei dem sind die Änderungen so dezent ausgefallen, dass sie vielen Leuten nicht auffallen werden: Der Schatten ist verschwunden, und die Farben sind eine Nuance kräftiger – mehr nicht.
Wäre es Ihnen aufgefallen? Das neue Logo hat keinen Schatten mehr, dafür kräftigere Farben.
Sind den Ingenieuren bei Google die Ideen ausgegangen? Oder soll das ein Statement gegen plumpen Zahlenmystizismus sein? Ein Statement für eine nüchterne, naturwissenschaftliche Betrachtungsweise, bei der auch eine runde Zahl nur eine Zahl wie jede andere ist?
Nur ja keine Blähware
Wir wissen es nicht. Aber es ruft in Erinnerung, auf welche Wege und Abwege sich die Softwarehersteller schon begeben haben, weil sie einen alten Spagat nicht auf die Reihe bekommen. Dieser Spagat besteht darin, dass eine neue Softwareversion einerseits so viele Innovationen bringen muss, dass die Nutzer die Notwendigkeit erkennen, sich dieses Update zu kaufen.
Andererseits dürfen die Veränderungen die Anwender nicht überfordern und ihnen keinen allzu grossen Aufwand fürs Umlernen aufnötigen. Und die Hersteller müssen vermeiden, unter «Bloatware»-Verdacht zu geraten: Eine Blähware ist eine Software, die mit allerlei Funktionen aufgeblasen wird, die kein Mensch braucht und die das Produkt langsam und träge machen – und bei denen es offensichtlich nur darum geht, dass die Marketingabteilung das eigene Unternehmen als Treiber des Fortschritts anpreisen kann.
Den Fortschritt zu bewirtschaften, ist eine Kunst, die nicht alle Unternehmen gleich gut beherrschen: Apple hat in den letzten Jahren eine Meisterschaft darin erlangt, die Neuerungen so gezielt zu dosieren, dass die Weltöffentlichkeit reflexartig hinhört, wenn Updates angekündigt werden – auch wenn die Produktnummern (iPhone 13, Airpods 3 Generation, iOS 15) keinen Zweifel daran lassen, dass wir längst in einem evolutionären Prozess angelangt sind, bei dem es tunlichst darum geht, nicht alles Pulver aufs Mal zu verschiessen. Beim Mac-Betriebssystem pflegt Apple die charmante Eigenheit, jeder grossen Version einen Namen zu geben. Seit einigen Jahren kommen dafür Gegenden aus Kalifornien zum Zug. Mit den ästhetisch perfekten Hintergrundbildern zu Mojave, Catalina, Big Sur und Monterey gibt es auch immer gleich visuelle Erkennungsmittel, was die Identifikation vereinfacht.
Wie findet man veraltete Programmversionen?
Vom Smartphone sind wir es gewohnt, dass es einfach ist, Apps auf dem neuesten Stand zu halten: Das System zeigt automatisch an, wenn neue Versionen verfügbar sind, und es ist sogar möglich, diese Updates automatisch zu installieren. Das geht wie folgt:
- Um beim iPhone App-Updates automatisch einzurichten, tippen Sie in den Einstellungen auf «App Store» und stellen sicher, dass im Abschnitt «Automatische Downloads» die Option «App-Updates» eingeschaltet ist.
- Bei Android öffnen Sie die Play-Store-App und tippen rechts oben auf Ihr Profilbild. Tippen Sie auf den Befehl «Einstellungen», öffnen Sie die Rubrik «Netzwerkeinstellungen» und betätigen Sie hier «Apps automatisch aktualisieren». Sie dürfen nun angeben, ob die Aktualisierung nur per WLAN oder auch via Mobilfunknetz erfolgen soll.
- Bei den Desktop-Betriebssystemen werden die Apps, die Sie in den Stores der Hersteller erworben haben (Microsoft Store bei Windows bzw. Mac App Store bei Mac) auf Wunsch ebenfalls automatisch aktualisiert. Die Option «App-Updates» findet sich bei Windows 11, wenn Sie in der Store-App auf das Icon mit Ihrem Benutzerkonto klicken und «App-Einstellungen» auswählen. Bei Windows 10 tippen Sie auf das Menü mit den drei Punkten und auf «Einstellungen».
- Um beim Mac Apps automatisch auf dem neuesten Stand zu halten, klicken Sie in der Menüleiste auf «App Store > Einstellungen» und überprüfen, dass bei «Automatische Updates» ein Häkchen gesetzt ist.
Programme, die Sie bei Windows und Mac nicht aus dem Store, sondern manuell installiert haben, werden nicht in jedem Fall automatisch aktualisiert. Viele Anwendungen – insbesondere die Browser – enthalten ein Update-Modul und sorgen dafür, dass sie auf dem neuesten Stand bleiben. Andere Programme müssen jedoch manuell aufdatiert werden.
Theoretisch bedeutet das, dass Sie Programm für Programm durchsehen müssten, ob sie noch auf dem aktuellsten Stand sind. Es gibt jedoch Programme, die Ihnen diese Arbeit abnehmen und Ihnen dabei behilflich sind, die neuste Version zu holen und zu installieren:
- Das beste Windows-Hilfsprogramm für die Aktualisierung ist Sumo (Software Update Monitor). Es gibt dieses Programm in einer kostenlosen Version unter Kcsoftwares.com. Sie sucht und überprüft die installierten Programme und sortiert sie nach grossen und kleinen Updates: Klein bedeutet, dass nur die Versionsnummer nach dem Punkt abweicht. Bei grossen Versionen ist eine neue Hauptversion erschienen (mit einer anderen Zahl vor dem Punkt) – die bei kostenpflichtigen Programmen unter Umständen nicht gratis, sondern nur als kostenpflichtiges Upgrade erhältlich ist. Wenn Sie in solches Update nicht ausführen wollen, klicken Sie auf die Schaltfläche «Ignorieren». Indem Sie auf einen Eintrag rechtsklicken, haben Sie den Befehl «Hole Update» zur Auswahl, der Ihnen bei der Aktualisierung hilft. Sumo ist kostenlos, aber es gibt eine Pro-Variante für 20 Euro pro Jahr oder einen Einmalkauf von 30 Euro.
- MacUpdater von Corecode.io hilft, veraltete Programme auf dem Mac aufzuspüren: Es überprüft die vorhandenen Programme automatisch und zeigt die installierte sowie die aktuelle Version an. Über den Knopf «App upgraden» führt man eine Aktualisierung durch. Die kostenlose Version führt zehn Aktualisierungen durch, für mehr benötigt man die kostenpflichtige Version für 15 US-Dollar.
Die Aktualisierung bei diesen Apps bei Windows und Mac ist mit einem gewissen Aufwand verbunden. Es lohnt sich nicht, diese sehr engmaschig durchzuführen – einmal pro Monat reicht völlig. Wenn Sie viele alte Apps installiert haben, die Sie selten verwenden, gibt es eine gute Alternative zur Aktualisierung: Wenig gebrauchte Softwareprodukte sollten Sie kurz und schmerzlos deinstallieren. (schü)
Google hat keine Idee und Microsoft keinen Plan
Auf der anderen Seite wirkt Microsoft auch nach bald fünfzig Jahren Firmengeschichte planlos: Mal hat das Unternehmen seine Produkte mit Jahreszahlen versehen (Windows 95), was dazu führte, dass sie nach Neujahr veraltet wirkten, selbst wenn sie es nicht waren. Dann hat man sich lustige Bezeichnungen wie XP oder Vista ausgedacht, was aber komplett sinnlos war, weil der Kunde nicht wie in anderen Branchen zwischen x unterschiedlich gestylten Produkten dasjenige auswählen kann, mit dem er sich identifiziert. Es gibt schliesslich kein Windows Fiesta, kein Office 959, keinen Internet Explorer Speedster und kein Skype Beetle.
Letztes Jahr hat Microsoft in einer Hauruckübung Windows 10 durch Windows 11 abgelöst, ohne dass die neue Version als echte Weiterentwicklung zu erkennen gewesen wäre. Und um das Chaos perfekt zu machen, verwendet Microsoft auch weiterhin parallel drei Schemata, um das Entwicklungsstadium anzuzeigen: Die im Oktober veröffentlichte Version von Windows 11 trug die interne Versionsnummer 21H2, war mit der Buildnummer 22000 ausgestattet und hatte den Codenamen «Sun Valley» – worauf man, frei nach Obelix, den Kopf schütteln und «Die spinnen, die Microsoft-Leute» rufen kann. Im Vergleich dazu ist Googles vertane Chance mit Chrome 100 geradezu harmlos.

