Surfprogramme im Vergleich
Chrome, Edge, Safari oder Firefox – welcher Browser ist der beste?
Mittel zum Zweck oder Ausdruck einer Lebenshaltung? Unsere Redaktoren erklären, warum sie sich für welchen Browser entschieden haben – und dem die Treue halten.
Matthias Schüssler, Martin Fischer, Rafael Zeier, Urs Jaudas
Sundar Pichai, heute Chef des Google-Konzerns, strich an einer Entwicklerkonferenz 2012 die Vorteile des Google-Browsers hervor: Er funktioniert auf allen Geräten und mit jeder Bildschirmgrösse.
Kimhiro Hoshino (Getty)
Firefox: Wie ein altes Ehepaar
Es muss ungefähr 1995 gewesen sein, als ich mich zum ersten Mal ins Internet klickte. Das war ein prägendes Erlebnis: Mit der damals üblichen Verbindungsgeschwindigkeit konnte man der Seite beim Aufbau zusehen. Während die Webinhalte langsam eintrudelten, zeigte das Netscape-Icon rechts neben der Adressleiste eine Animation, in der ein Meteoritenschauer, der hinter dem Logo des Browsers, einem stilisierten N, niederging.
Was dieses kosmische Gewitter mit dem Web zu tun hatte, war mir damals genauso unklar wie heute. Aber die Symbolik war genau richtig, weil ich das gleiche andächtige Staunen spürte wie damals als Kind, als ich zum ersten Mal eine Sternschnuppe erblickte.
Die Faszination und die Begeisterung, die dieses Internet auf mich ausübte, hat sich untrennbar auf das Programm übertragen – das Internet war für mich nur echt, wenn ich es via Netscape betrat. Doch Anfang der Nullerjahre entpuppte sich Netscape als Dinosaurier, der zwar nicht von einem Meteor, aber vom Internet Explorer ausgelöscht wurde. Dieser Browser war schneller und technisch überlegen und hat mich, genau wie viele andere, in die Arme von Microsoft getrieben.
Doch diese Zweckbeziehung war schon 2004 wieder vorbei: In diesem Jahr hatte die Mozilla-Stiftung den Netscape-Browser auf ein modernes Fundament gestellt und unter dem neuen Namen Firefox lanciert – wiederum passend, weil der Feuerfuchs die alten Gefühle sogleich wieder entfachen konnte.
Firefox heute: Die Elemente der Benutzeroberfläche sind über die Jahre immer dezenter geworden.
Screenshot: schü.
Vivaldi ist so vielseitig wie keiner der Konkurrenten (siehe Kasten): Er zeigt auf Wunsch auch zwei oder mehr Websteiten nebeneinander an.
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Brave (siehe Kasten) beteiligt den Nutzer an den Umsätzen der Werbung, die im Browser angezeigt werden.
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Seitdem bin ich Firefox treu geblieben. Das war eine Beziehung mit Höhen und Tiefen. 2013 war ich kurz davor, zu Chrome überzulaufen. Weil die Entwickler alle Energie in das Smartphone-Betriebssystem Firefox OS investiert hatten, wurde der vernachlässigte Browser immer langsamer und unzuverlässiger.
Doch Firefox konnte sich aufrappeln: Dieser Browser ist ein Plädoyer für das freie Netz, das nicht von den grossen Konzernen vereinnahmt wird. Er ist so benutzerfreundlich und vielseitig wie keiner seiner Konkurrenten. Und auch wenn seine Nutzerzahlen in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen sind, glaube ich an die Selbsterneuerungskraft dieser Community – und daran, dass Firefox und ich zusammen alt werden. (Matthias Schüssler)
Zwei Aussenseiter mit besonderen Talenten
Neben den grossen Browsern Chrome, Firefox, Edge und Safari gibt es diverse alternative Browser, die einen vergleichsweise geringen Marktanteil haben, dank besonderer Fähigkeiten von ihrer Nutzerschaft aber geschätzt werden:
Vivaldi (vivaldi.com) richtet sich an die sogenannten Power-User. Der Browser ist flexibel bei der Darstellung und kann die Reiter beispielsweise in zwei Reihen oben oder auch unten anzeigen. Sie lassen sich auch als Spalte am linken oder rechten Rand darstellen, was die Übersicht bei sehr vielen offenen Websites fördert. Mit der F2-Taste erscheint die Schnellwahl, über die sich nicht nur Websites und Tabs öffnen, sondern eine Reihe weitere Möglichkeiten ergeben: Sie durchsuchen alle offenen Websites und lassen beliebige Befehle ausführen. Reiter dürfen auch gruppiert oder in den Ruhemodus versetzt werden: In diesem brauchen sie weniger Arbeitsspeicher und keine Rechenleistung auf dem Prozessor, was bei Laptops die Batterie schont. Sie sind bei Bedarf aber sofort zugänglich. Eine grossartige Funktion ist auch die Kacheldarstellung: Mit ihr erscheinen zwei oder mehrere Websites nebeneinander bzw. als Gitter.
Vivaldi ist eine Abspaltung des norwegischen Opera-Browsers, den es seit 1996 gibt. Letzterer hat in den vergangenen Jahren – auch durch den Verkauf an ein chinesisches Konsortium 2016 – an Rückhalt verloren. Vivaldi wird seit 2015 von einem der Opera-Gründer, Jon von Tetzchner, vorangetrieben.
Brave (brave.com) basiert auf Chromium, also dem Open-Source-Kernstück von Googles Chrome-Browser. Brave ist auf den Schutz der Privatsphäre ausgelegt: Er blockiert Tracker und Banner, stellt aber seinerseits ein Werbemodell bereit, bei dem die Einnahmen zwischen dem Surfer, dem Browser-Hersteller (je 15 Prozent) und dem Betreiber einer Website (70 Prozent) aufgeteilt werden. Die Einkünfte werden als «Basic Attention Token» (BAT) ausgezahlt, die sich in Geschenkkarten oder Kryptowährungen umtauschen lassen.
Brave kann im privaten Surfmodus auch Ressourcen über das Tor-Netzwerk abrufen. Das gehört zum sogenannten Darknet, das über die gängigen Programme und Suchmaschinen nicht zugänglich ist. (Matthias Schüssler)

