Das sind die grossen Windows-Baustellen
Nächste Generation Microsoft plant gewichtige Neuerungen bei seinem Betriebssystem. Wir zeigen auf, wo Handlungsbedarf besteht.
Microsoft hat für den 24. Juni einen grossen Anlass geplant. Im Vorfeld schürt der Konzern die Erwartungen. Satya Nadella, der Chef höchstpersönlich, versprach «das grösste Update des Jahrzehnts».
Was das konkret bedeutet, ist unklar. Bekannt ist einzig, dass der Windows-Produktchef Panos Panay persönlich mit dem Projekt «Sun Valley» betraut ist. Es bringt eine Überarbeitung der Benutzeroberfläche, die evolutionär anmutet. Darum ist gut möglich, dass Microsoft zwar die Revolution ankündigt, aber den Weg der kleinen Schritte weiterhin verfolgen wird. Dabei gibt es genügend Gelegenheit für nachhaltige Verbesserungen – bei etlichen Baustellen:
— Die generellen Altlasten: Windows gibt kein homogenes Erscheinungsbild ab: Noch immer erscheinen bei manchen Klicks Bedienelemente in der Optik von Windows 2000. Auch einige der mitgelieferten Programme sind nicht mehr auf der Höhe der Zeit, namentlich Paint und Wordpad.
— Der Windows Explorer: Das Programm zur Verwaltung der Dateien ist eines der wichtigsten überhaupt. Es wurde zwar mit Windows 8 aufgefrischt, aber seit Windows 95 nie grundlegend überarbeitet. Eine Auffrischung der Optik ist überfällig. Angezeigt wäre auch die Integration von beliebigen Cloud-Ablagen, so wie es Apple bei der Dateien-App von iPhone und iPad vorexerziert.
— Die veralteten Fenster: Bei den Browsern haben sich die Reiter seit zwanzig Jahren etabliert. Auch bei den anderen Programmen, etwa beim Explorer, wäre es sinnvoll, wenn sich mehrere Dokumentfenster als Reiter nebeneinander anordnen liessen.
— Kooperation mit dem Handy: Die App «Ihr Smartphone» soll Windows zur Zusammenarbeit mit dem Mobiltelefon bewegen. Doch in Kombination mit einem iPhone ist sie leider unbrauchbar. Mit Android gibt sie etwas mehr her – trotzdem muss das besser werden.
— Komplizierte Produktpalette: Windows Home, Pro, Pro für Workstations und Enterprise – die Auswahl an Editionen ist kompliziert, unübersichtlich und kundenfeindlich. Mac OS gibt es in einer Variante, und das reicht völlig aus. Falls Microsoft es nicht lassen kann, für Funktionen extra Geld zu verlangen, könnten sich die als separater Kauf freischalten lassen, wie man es vom Smartphone her kennt.
— Die mangelnde Konsequenz: In den Datenschutz-Einstellungen kann der Nutzer steuern, welche Apps welche Berechtigungen haben. Nur schade, dass diese Einschränkungen lediglich für die modernen Apps aus dem Store gelten, nicht aber für die klassischen Programme – das schmälert den Nutzen leider über Gebühr.
— Kein Betrieb ohne Verbindung zur Cloud: Es gehört zu den legitimen Nutzungsweisen, ein Betriebssystem ohne Cloud, ohne Online-Konto und Abfrage von Diagnosedaten zu betreiben. Diesem Bedürfnis sollte Microsoft endlich einmal Rechnung tragen, passenderweise durch einen einzigen Schalter, mit dem Anwender jegliche Anbindung an Microsofts Server unkompliziert deaktivieren können – Updates sind selbstverständlich ausgenommen.
Matthias Schüssler

