So rüsten Sie sich für die zweite Welle

Mehr Power für zu Hause Die Heimarbeit hält uns gefangen. Da stellt sich die Frage, ob sich eine Investition in die digitale Ausstattung lohnen würde. Vier Punkte, die Sie bei einer Neuanschaffung berücksichtigen sollten.

Matthias Schüssler

1. Die Weichenstellung

Der schwierigsten Frage sollten Sie sich gleich am Anfang stellen. Und die lautet: Setzen Sie auf Kontinuität, oderwagen Sie den Wechsel? Das heisst konkret: Bleiben Sie Ihrer angestammten Systemwelt treu oder steigen Sie von Windows auf Mac um – oder umgekehrt? Oder erwägen Sie gar den radikalen Schnitt und möchten den klassischen Computer oder Laptop durch ein iPad ablösen?

Es gibt für alle Entscheidungen gute Gründe. Mit dem Wechsel vom Mac auf Windows lässt sich wahrscheinlich Geld sparen: Ein High-End-Windows-PC ist deutlich günstiger als ein Macbook des oberen Leistungsspektrums. In der Mac-Welt ist die Auswahl an Modellen überschaubar, bei Windows dagegen riesig.

Umgekehrt hat die Mac-Welt noch immer den Vorteil, dass nirgends sämtliche Rädchen so elegant ineinandergreifen: Hardund Software sind harmonisch aufeinander abgestimmt, und man bleibt von der sogenannten Crapware verschont: Das sind die Dreingaben der Hersteller von Windows-Rechnern, die meist mehr schaden als nützen. Allerdings ist gerade im Augenblick kein guter Moment für den Kauf eines Mac-Computers: Apple wird bei den nächsten Produktgenerationen die Intel-Prozessoren durch die eigenen ARM-Chips ersetzen. Was das bedeutet, wird sich erst abschätzen lassen, wenn die ersten Modelle erhältlich sind.

Freilich gibt es auch die Möglichkeit, den herkömmlichen Personal Computer hinter sich zu lassen. Ein iPad ist leicht und flexibel, hat eine lange Batterielaufzeit, ist einfach zu konfigurieren und zu benutzen und macht wenig Administrationsaufwand. Es lässt sich mit drahtloser Maus und Tastatur durchaus als ernsthaftes Arbeitsinstrument verwenden. Allerdings nur dann, wenn Sie hauptsächlich mit dem Browser und der Cloud arbeiten und alle benötigten Anwendungen auch als mobile App verfügbar sind.

Doch generell gilt, dass der Wechsel von einer Systemwelt in eine andere nicht ohne Aufwand und Reiberei vonstattengeht. Darum lohnt er sich nur aus triftigen Gründen. Wenn Sie mit Ihrem angestammten System zufrieden sind, bleiben Sie doch dabei. Wenn Sie wechseln, stellen Sie sicher, dass Sie das alte Gerät noch mindestens ein paar Wochen zur Verfügung haben, damit genügend Zeit für den Umzug bleibt.

2. Welche Bauform soll es sein?

Ungefähr 2008 hat der Laptop den klassischen Desktop-PC überholt. 2020 wurden gemäss Marktanalyst Canalys bisher auf einen stationären noch vier mobile Computer verkauft. Corona hat den Laptops zusätzlichen Schub verliehen, weil Privatanwender mehr und Unternehmen weniger Geräte gekauft haben: «Die Notebooks haben den PC-Markt im Alleingang aus einer Depression geholt», sagte ein Experte von Canalys dem Newsportal ZD-Net.

Trotzdem gibt es auch heute gute Gründe, statt eines Laptops einen stationären Computer zu kaufen – zumal das Homeoffice per Definition nicht mobil ist: Mit einem stationären Computer erhält man mehr Leistung für sein Geld. Sie können die Komponenten einzeln auswählen und nach Bedarf ersetzen bzw. weiterverwenden – zumal Tastatur, Maus und Bildschirm nicht die gleiche Lebensdauer haben und sich unterschiedlich schnell abnützen. Auch die Aufrüstbarkeit spricht für stationäre Geräte. Doch der grösste Vorteil ist und bleibt die Ergonomie. An einem richtigen PC arbeitet es sich bequemer als über den Laptop gebeugt.

Bei der klassischen Bauweise gibt es die grossen Gehäuse weiterhin, namentlich bei den leistungsstarken Workstations und den Gamer-PCs. Die Recheneinheit gibt es aber auch mit kompakten oder sogar kleinen Abmessungen wie die HP-ProDesk-Reihe. Zu den Mini-PCs zählen etwa der Intel Nuc und der Mac Mini.

Eine besondere Variante des stationären PC, bei der allerdings einige Vorteile verloren gehen, ist der All-in-One-PC: Bei ihm ist die Recheneinheit in den Bildschirm integriert. Zwei sehr elegante Vertreter sind der iMac von Apple und das Surface Studio 2 von Microsoft. Da beides auch Prestigeobjekte sind, haben sie ihren Preis. Er startet beim iMac bei ca. 1230 Franken. Das Surface Studio 2 kostet mindestens 4000 Franken.

Und ja, an jeden Laptop lässt sich ein externer Monitor anschliessen. Das steigert den Arbeitskomfort beträchtlich, bringt aber natürlich zusätzliche Kosten mit sich. Eine kleine Hürde stellt der Umstand dar, dass es verschiedene Anschlüsse gibt: HDMI, Displayport oder USB-C mit Thunderbolt und/oder Displayport. Wenn Laptop und Bildschirm die gleichen Anschlüsse aufweisen, reicht ein simples Kabel, ansonsten braucht man entweder einen Adapter oder ein Dock.

3. Wie viel Geld ausgeben?

Wie viel Geld Sie in die Erneuerung der Homeoffice-Ausrüstung stecken müssten, hängt davon ab, für welche Bauform Sie sich entscheiden und in welcher Klasse Sie einsteigen wollen. Bei den Laptops beginnt die Premium-Kategorie bei etwas über 1000 Franken: zum Beispiel das Spectre x360 von HP (ca. 1400 Fr.) oder das Expertbook B9 von Asus (1700 Fr.).

Für die intensive Nutzung im Homeoffice raten wir von der Einsteiger-Kategorie ab: Bei den Laptops müssen Sie unterhalb von 600 Franken zu grosse Kompromisse bei Komfort und Leistung eingehen. Ab einem Budget von 600 Franken empfiehlt die Fachzeitschrift «Chip» etwa das HP Envy x360 oder das Lenovo IdeaPad 5.

Sollten Sie sich fürs iPad entscheiden, dann wäre für die Arbeit mindestens das iPad Air angebracht, das ab 629 Franken erhältlich ist. Allerdings kommt noch eine drahtlose Tastatur dazu: Sie können entweder eine spezielle iPad-Tastatur kaufen oder aber auch eine normale Bluetooth-Tastatur in der Standardgrösse und mit Ziffernblock verwenden.

4. Worauf Sie achten sollten

Es gibt unzählige Leistungsdaten, die Sie vergleichen und evaluieren könnten: Prozessor, Grafikkarte, Ausstattung, Touchund Stiftbedienung, Gewicht, Akkulaufzeit, Soundqualität. Damit Sie sich nicht in den Details verlieren: Wichtig ist genügend Arbeitsspeicher. 4 GB sind das absolute Minimum, 8 GB empfehlenswert. Wie gross der Massenspeicher (SSD) sein sollte, hängt davon ab, was Sie tun und ob Sie Daten aus der Cloud verwenden oder lokal vorhalten. Die Kapazität eines stationären PC lässt sich leicht mit externen Festplatten erweitern. Bei einem Laptop ist das unpraktisch.

Wichtig sind genügend Anschlüsse. Zwei USB-Ports sind wahrscheinlich zu wenig, und auf USB-C sollte man heute nicht mehr verzichten.

Abgesehen davon ist es wichtig, dass Ihnen Bildschirm und Tastatur zusagen – denn ein Laptop kann die beste Leistung bieten, doch wenn es sich nicht gut darauf tippt, nützt alles nichts: Deshalb lohnt es sich, die Geräte vor dem Kauf auszuprobieren.

iPad, Laptop oder doch ein grosser Bildschirm? Das Homeoffice muss keine unpraktische Notlösung sein. Foto: Getty Images

Die Systemwelt zu wechseln, geht nicht ohne viel Aufwand oder Reiberei und lohnt sich nur aus triftigen Gründen.

Quelle: Tages-Anzeiger, Mittwoch, 28. Oktober 2020

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