Fake News
Ein Wächter, der Falschinformationen stoppt
Newsguard zeigt beim Surfen, in Suchmaschinen und in den sozialen Medien an, wie seriös eine Nachrichtenquelle ist. Das klingt nach einem hervorragenden Instrument gegen Fake News – doch es gibt Haken.
Matthias Schüssler
Das Prinzip von Newsguard ist einfach und einleuchtend: Newsguard ist ein Wächter, der beim Surfen anzeigt, ob man sich mit verlässlichen Quellen beschäftigt – oder mit solchen, bei denen Vorsicht angezeigt ist.
Um Newsguard zu nutzen, installiert man eine Erweiterung im Browser. Es gibt sie für die gängigen Browser (Firefox, Chrome, Edge, Safari), aber nur für die Desktopvarianten. Ausnahme ist Edge, der Newsguard auch in der mobilen Variante unterstützt. Am Smartphone können Nutzer die App verwenden (für iOS und Android).
Nach der Installation erscheint die Erweiterung als kleines Schild in der Symbolleiste. Sobald man eine News-Website öffnet, erscheint dieses Schild entweder grün oder rot, manchmal auch orange oder grau: Grün bedeutet, dass die Website im Allgemeinen zuverlässige Informationen liefert. Bei Rot sind die Anforderungen an Glaubwürdigkeit und Transparenz nicht erfüllt. Grau bedeutet, dass keine Einstufung vorliegt, und in Orange werden Satire-Websites gekennzeichnet.
Die Schildchen werden bei Suchmaschinen in die Resultateliste eingefügt und tauchen auch bei Facebook bei geteilten Links auf. Das hilft bei der Entscheidung, in welche Inhalte man seine Zeit investiert und in welche nicht.
Auch Schweizer Sites werden bewertet
Newsguard ist eine vielversprechende Initiative gegen Falschinformationen im Netz. Und inzwischen sind viele Portale aus dem deutschsprachigen Raum und der Schweiz bewertet worden, sodass sich die Erweiterung auch für Surfer hierzulande anbietet.
Es gibt aber drei Punkte, die man als Nutzer bedenken muss:
Der Datenschutz: Die Erweiterung prüft aufgerufene Sites und Links auf Websites über eine Online-Datenbank, wodurch das persönliche Surfverhalten umfassend abgebildet wird. Newsguard erklärt auf Anfrage, dass keine Nutzerdaten weiterverkauft würden; die Datenschutzerklärung hält aber die Option der Datenverwendung für «legitime Geschäftsinteressen» offen. Ausserdem verursachen die Abfragen zusätzlichen Datenverkehr und können den Browser ausbremsen. Sinnvoll wäre daher eine Option, die Bewertungsdatenbank lokal zu speichern.
Die Bewertung: Newsguard beurteilt die Websites anhand von neun Kriterien. Die sind einleuchtend – zum Beispiel, wie häufig Falschinformationen veröffentlicht werden, ob die online bleiben oder ob Fehler korrigiert werden –, und im Verlauf des Bewertungsprozesses haben die Medienanbieter auch die Möglichkeit, Stellung zu beziehen. Dennoch ist die Einordnung in Rot oder Grün nicht immer eindeutig: Die Grenzen zwischen Fake News und exzentrischen Meinungen sind fliessend, oder zur Unterscheidung sind aufwendige Recherchen nötig. Und bei grossen Portalen wie Youtube oder Wikipedia gibt Newsguard kein Urteil ab, da die Inhalte von Nutzern stammen und daher keinen einheitlichen Standard erfüllen.
Das Geschäftsmodell: Newsguard ist kostenlos, doch für die Details zur Einschätzung benötigt man ein Abo, das 2.95 Euro pro Monat kostet. Dabei dürfte die Zahlungsbereitschaft gerade bei Leuten mit einem sorglosen Umgang mit dubiosen Quellen gering sein – für eine möglichst grosse Reichweite müsste die Dienstleistung gratis sein. Gäbe es keine alternativen Finanzierungsmöglichkeiten, zum Beispiel über Spenden oder eine Stiftung?
Die Chefredaktorin des Deutschland-Teams, Marie Richter erklärt, der privatwirtschaftliche Ansatz habe klare Vorteile, namentlich die Unabhängigkeit von Grossspendern, die die journalistische Unabhängigkeit bei den Bewertungen garantiere: «Es ist unser Ziel, Newsguard so vielen Benutzern wie möglich zugänglich zu machen – und zwar durch Partnerschaften und Lizenzabkommen», erklärt Richter. Zu den Lizenznehmern gehören das britische Telekommunikationsunternehmen BT und auch Microsoft. Dementsprechend ist Newsguard in Edge kostenlos nutzbar – was ein echter Vorteil dieses Browsers darstellt.
Newsguard hofft auf weitere Kooperationen mit Internetanbietern, Online-Plattformen, Bibliotheken und Bildungsunternehmen, die letztlich eine grössere Verbreitung ermöglichen als zur Startphase, als der Newswächter noch komplett kostenlos war.

