Bei Google gibt es keine «Blacklist» mehr
Black Lives Matter Die Anti-Rassismus-Demos zwingen Techkonzerne, Stellung zu beziehen. Manche tun das geschickter als andere.
Die Black-Lives-Matter-Bewegung drängt nicht nur auf die Strassen, sondern auch in die sozialen Medien und den virtuellen Raum: Techunternehmen müssen Stellung beziehen. Die meisten zeigen sich solidarisch.
Apple-Chef Tim Cook hat einen offenen Brief verfasst und sich unmissverständlich auf die Seite der Demonstranten geschlagen. Cook erwähnt eine Spende an die gemeinnützige Organisation Equal Justice Initiative, ohne deren Höhe zu spezifizieren. Und der riesige Schriftzug «Black Lives Matter», den die Washingtoner Bürgermeisterin Mayor Muriel Bowser auf die zum Weissen Haus führende 16th Street pinseln liess, tauchte umgehend in der Satellitenansicht von Apple Maps auf. Nicht alle Konzerne haben sich geschickt verhalten. Microsoft hat die Künstlerin Shantell Martin engagiert, vor dem Store an der 5th Avenue ein Wandbild anzubringen, das die Black-Lives-Matter-Bewegung ehrt. Doch in einem Mail hat sich der Konzern unglücklich ausgedrückt: Die Künstlerin solle das Wandbild möglichst schnell anfertigen, «solange die Proteste noch relevant seien». Martin hat dieses Mail öffentlich gemacht, worauf sich die Marketingchefs umgehend entschuldigt haben.
Rassistische Algorithmen
Google hat sich über die Suchseite und Youtube für Gleichheit ausgesprochen. Und Youtube stellt eine Million US-Dollar für den Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit in Aussicht.
Der Suchmaschinenkonzern will sich auch gegen den Alltagsrassismus stellen. Den kennt das Unternehmen auch von innen: 2019 hat ein Mitarbeiter vor seinem Abgang ein Memo in Umlauf gebracht, in dem er den Rassismus beschreibt, den er als Mensch mit dunkler Hautfarbe in der Niederlassung in New York erfahren hat: Er habe «nie aufgehört, die Last des Schwarzseins bei Google zu spüren».
Eine Massnahme zielt auf die Fachbegriffe, die die Entwickler in ihren Dokumentationen verwenden. Diese müssen geschlechtsneutral abgefasst werden und ohne Rassendiskriminierung auskommen. Verboten sind neuerdings die Begriffe Whitelist und Blacklist. Diese Terminologie verstärke die Wahrnehmung, schwarz sei böse und weiss gut. Die Google-Mitarbeiter müssen künftig die Begriffe Blockierliste bzw. Positivliste verwenden.
Das mag als kleiner Schritt erscheinen. Er schärft aber die Wahrnehmung des Problems. Denn auch die Algorithmen der Firmen können rassistisch sein: Ein Recherchenetzwerk hat festgestellt, dass ein System zur Beurteilung von Rehabilitierungsaussichten Weissen bessere Chancen einräumt als Schwarzen. Studien zeigen ferner, dass die Gesichtserkennung bei weissen Gesichtern im Schnitt besser funktioniert als bei schwarzen.
Matthias Schüssler

