Office 2016 setzt ganz auf die Teamarbeit
Alles neu bei Microsoft? Nein. Aber immerhin wurden die Share-Funktionen bei Office 2016 stark verbessert.
Matthias Schüssler
Wenn Microsoft-Manager Jared Spataro im Video die Werbetrommel für Office 2016 rührt, spart er nicht mit grossen Worten: Die neue Version der Bürosuite sei «die beste Version überhaupt», lobt er sein Produkt. «Der Launch begründet eine neue Ära – mit einem neuen Office, das von einem neuen Unternehmen entwickelt wurde.» Spataro bezieht sich auf Microsoft in der Ära nach dem Abgang des langjährigen Chefs Steve Ballmer. Der neue CEO Satya Nadella will die «Produktivität neu erfinden», die Cloud forcieren und Microsofts Produkte über die Windows-Plattform hinaus zum Erfolg führen. Die Office-Apps gibt es darum inzwischen auch für Android und für Apples Mobilgeräte sowie für die Nutzung im Browser als Webapps.
Alles neu? Davon ist in Office 2016 weit und breit nichts zu sehen – auch nicht von einer neuen Ära. Die Software sieht dem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich. Immerhin, das etwas peppigere Farbschema vertreibt die Zweifel, man könnte aus Versehen die alte Version installiert haben. Die Titelleiste ist nicht mehr hellgrau, sondern in kräftigen Farben gehalten: Blau bei Word, Grün bei Excel und Orange bei Powerpoint.
Bei genauem Hinschauen entdeckt man zwei weitere Unterschiede: Zum einen gibt es im Menüband ein Eingabefeld. Das macht die Verwendung selten gebrauchter Befehle einfacher. Tippt man einen Begriff an, zeigt die Office-Anwendung alle passenden Kommandos, die sich direkt aus der Liste der Fundstellen ausführen lassen.
Tippen in Echtzeit
Eine zweite sichtbare Neuerung ist der unscheinbare «Share»-Knopf rechts oben: Über ihn gibt man das Dokument für andere Nutzer frei oder lädt sie ein, daran mitzuarbeiten. Das «Co-authoring» ist die wichtigste Funktion in der neuen Softwareversion. Sie macht es in Word, Powerpoint und One Note möglich, dass mehrere Leute am gleichen Dokument arbeiten. Die Voraussetzung ist, dass das Dokument bei One Drive oder bei Microsofts Team-Plattform Sharepoint gespeichert ist.
Das «Real-time typing» in Word zeigt in Echtzeit an, welche Eingaben die anderen Mitarbeiter am Dokument machen. Bei Google Docs kennt man eine ähnliche Funktion seit längerem. Die Liveübertragung der Tastaturanschläge macht eine neue Form der Interaktion möglich. Die Arbeit am Text findet direkt im Dokument statt. Sie ist unmittelbarer als das zeitversetzte Überarbeiten oder Kommentieren, das bislang in der Office-Umgebung gepflegt wird.
Die Autoren, die sich im gleichen Raum befinden oder internettelefonisch verbunden sind, entwickeln gemeinsam Argumentationsketten oder feilen an Formulierungen. In der Redaktion haben wir diese Form des kollaborativen Schreibens einige Male praktiziert: Sie ist ungewohnt, führt im Idealfall zu schnellen und konsistenten Resultaten. Insbesondere, weil man unterschiedliche Ansichten über die Stossrichtung viel schneller feststellt als bei der «seriellen» Arbeit am Text. Wie zuverlässig das «Co-authoring» bei Word funktioniert, konnten wir auf dem von Microsoft zur Verfügung gestellten Testgerät nur ansatzweise testen. Es macht aber einen durchdachten Eindruck, zumal über den «Share»-Knopf auch die Kontaktinformationen der Mitarbeiter ersichtlich sind und Verbindungen über Skype Business initiiert werden können.
Für Einzelkämpfer wenig Neues
Die wichtigen Neuerungen in Office 2016 sind auf die Kollaboration ausgerichtet. Für Einzelkämpfer hat Microsoft nur wenige Neuerungen parat. In Excel gibt es neue Diagrammformen. In Outlook wird der Umgang mit Anhängen einfacher: Beim Einfügen eines Attachments werden die kürzlich bearbeiteten Dokumente automatisch vorgeschlagen. Wenn ein Dokument angehängt wird, das auf der virtuellen Festplatte One Drive gespeichert ist, fügt es Outlook automatisch als Link ein und gibt es für den Empfänger frei – der dann auch direkt das Original bearbeiten kann.
Zur Webrecherche braucht man dank «Smart Lookup» die Office-Anwendung nicht mehr zu verlassen. Word, Powerpoint, Excel und Outlook zeigen in einer Seitenleiste Resultate von Microsofts Suchmaschine Bing zum markierten Stichwort an.
Schliesslich ist Office auch besser an die aktuelle Betriebssystemversion angepasst. Smartphones mit Windows 10 projizieren Inhalte auf den Bildschirm eines Windows-10-PC. Cortana greift für ihre Tätigkeit als digitale Assistentin auch auf Outlook-Inhalte zu.
Buhlen um Abonnenten
Entgegen den Marketingversprechen ist Office 2016 kein Produkt, das «frisch gedacht» oder gar «komplett neu erfunden» worden wäre – das würden die Anwender gar nicht goutieren. Das hat Microsoft sehr wohl verstanden, denn die Software selbst vermittelt Kontinuität und Verlässlichkeit – genau so, wie es sich die Firmenkunden wünschen und wie auch Microsofts Strategen die inzwischen wichtigste Einnahmequelle des Konzerns gern positioniert sehen.
Das Abomodell von Office 365 wird zunehmend wichtiger als der Einzelverkauf von Softwareboxen. Doch auch die Softwareabonnenten müssen davon überzeugt werden, ihr Abo zu erneuern – darum die Marketingoffensive für die neue Version. Für Privatanwender mit einer einigermassen aktuellen Kaufversion von Office drängt sich das Update jedenfalls in den wenigsten Fällen auf.
Ab 10.95 Fr. pro Monat im Office-365-Softwareabo erhältlich. Home & Student (als Kaufprogramm) für 149.95 Fr.

