Wo man im Internet Gleichgesinnte trifft

Ob man sein ganzes Leben streamt, nur seine Lese-, Musik- oder Reisegewohnheiten offenbart oder im Netz seine Nachbarn trifft: Es wimmelt nur so von Communitys. Und es ist voller Alternativen zu Facebook.

Von Matthias Schüssler

Facebook ist drauf und dran, die wichtigste Website der Welt zu werden. Im Mai hat die 2004 gegründete Plattform für soziale Kontakte in den USA bei der Anzahl Besucher den Suchmaschinen-giganten Google überholt. Mehr als 500 Millionen Menschen sind Mitglied bei Facebook. Das Gebot bei Facebook ist zu interagieren, zu kommunizieren und Links und Bilder auszutauschen. Der Facebookler ist kein passiver Anwender, sondern Knoten eines sozialen Geflechts. Wie er sich auf der Plattform gebärdet, welche Informationen er preisgibt und was für Onlinefreundschaften er pflegt, bestimmen Status, Einfluss und Ansehen.

Das ist auch bei anderen Plattformen so. Bei der Microblogging-Gemeinschaft Twitter ist die Reputation sogar messbar: Auf Twittercharts.ch gibt es eine wöchentlich aktualisierte Rangliste der Schweizer Teilnehmer. Wehe, wenn ein Twitter-Nutzer eine Woche lang nichts von sich hören lässt – es droht der Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

Mark Zuckerberg, der Gründer von Facebook, nennt die Verbindungen zwischen den befreundeten Menschen den «social graph». In seiner Sicht der Welt ist es seine Facebook-Plattform, welche die Gemeinschaft kartiert. Damit Facebook einmal Geld abwirft, will Zuckerberg den «social graph» Werbekunden zugänglich machen. Das treibt Datenschützer auf die Barrikaden und verunsichert Nutzer, die dachten, ihre Facebook-Beiträge seien privat. Manche Leute sehen ein Szenario auf uns zukommen, bei dem Facebook «das Betriebssystem des Internets» ist. Wie eine grosse Glocke stülpt sich dieses über die gesamten Inhalte des Netzes. Ein Anzeichen, dass auch Facebook dieser Vision nicht abgeneigt ist, ist der «Like»-Button. Er taucht zunehmend auf sehr vielen Websites auf und verknüpft sie direkt mit Facebook. Beim Klick auf die Schaltfläche wird deren Inhalt von Facebook inkorporiert.

Es gibt jedoch ein Leben abseits von Zuckerbergs Welt. Einerseits existieren Spekulationen, dass mit «Google Me» ein Facebook-Konkurrent in der Mache ist. Andererseits gibt es spezialisierte soziale Netze zu allen möglichen Themen, die ein lebendiges Gegengewicht zur Facebook-Übermacht bilden.

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Quelle: Tages-Anzeiger, Montag, 9. August 2010

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