Klingeltöne oder Sinfonien?

Anvil ist eine kostenlose Software zur Musikkomposition. Sie eignet sich nicht nur – aber auch – für polyfone Handy-Klingeltöne.

Von Matthias Schüssler

Midi ist das Format der Musiker und Komponisten. Die 1982 ins Leben gerufene Schnittstelle – die Abkürzung steht für Musical Instruments Digital Interface – lehrt den Computer, Noten zu verstehen und mit Instrumenten zu kommunizieren.

Wer ein Minimum an Notenkenntnis mitbringt, braucht neben der musikalischen Ader nichts weiter als eine Sequencer-Software, um seinem PC Töne zu entlocken. Spezielle Hardware ist nicht nötig, obgleich das Komponieren über ein Keyboard die professionelle Lösung ist. Partituren per Maus oder Tastatur zu bearbeiten, ist nicht ganz so komfortabel, doch als Einsteiger wird man sich auch auf diesem Weg schnell über seine Befähigung zum «Komponisten-Superstar» klar werden.

Damit der Computer klingt und swingt, brauchts vor allem Zeit. Und Experimentierfreude, denn Sequencer-Software warten mit einer grossen Zahl von Funktionen auf. Sogar das kostenlose Anvil Studio enthält einen Mixer, Noteneditor, Pianorollendarstellung, kann via Plug-in Notenblätter drucken und sogar einen eingebauten «virtuellen Klavierlehrer». Fürs Verständnis der Software ist es hilfreich, Hits aus Rock, Pop oder Klassik als Ausgangspunkt für Experimente zu nehmen. Kombiniert man den Suchbegriff «Midi» und Titel oder Interpret, findet Google Songs.

Fertige Mididateien lassen sich sowohl mit Mac oder PC abspielen, und neuerdings verstehen auch die Handys dieses Format. Da nicht der Klang selbst, sondern nur dessen Beschreibung in Notenform gespeichert wird, sind Mididateien klein, kaum je grösser als 50 KB. Für die Wiedergabe verwendet die Soundkarte digitalisierte Klangproben (Samples) richtiger Instrumente, sodass das Stück je nach Qualität von Soundkarte und Mididatei erstaunlich echt klingt.

Sollte es mit dem Kompositionstalent doch nicht so weit her sein, ist das kein Grund zum Verzagen: Wie erwähnt können Mididateien auch als polyfone Klingeltöne dienen – so wird aus dem Experiment vielleicht keine Sinfonie, aber immerhin eine Rufmelodie, die sonst niemand auf dem Handy hat.

Profis greifen für ihr musikalisches Schaffen beispielsweise zu Cubase.

SCREEN TA

Amateure komponieren ihre Hits kostenlos mit Anvil Studio.

Quelle: Tages-Anzeiger, Montag, 24. Februar 2003

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