MONITOR
Ist das Opa oder Oma?
Von Matthias Schüssler
MMS ist der aktuelle Hoffnungsträger der Telecombranche. Das Kürzel steht für «Multimedia Messaging Service», und es bringt Handys, aus denen winzige Objektive ragen. Mit dem neuen Dienst kann das Telefon Fotos schiessen und als multimediale Kurzmitteilungen über die Mobilfunknetze schicken.
Braucht es diese Kamerahandys? Nein. Zweifellos ist das T68i von Sony Ericsson mit aufgesteckter CommuniCam ein Erwachsenenspielzeug erster Güte. Es steht ausser Frage, dass neidische Blicke ernten wird, wer das bald erhältliche Nokia 7650 «early adoptet». Doch trotz des hohen Gadget-Faktors ist MMS überflüssig.
Nicht etwa, weil mit der neuen Technologie die Privatsphäre unbescholtener Bürger in Gefahr ist, wie die «SonntagsZeitung» vom 31. März argwöhnt: Voyeure könnten in der Badi ein Telefongespräch fingieren und ohne Verdacht zu erregen mit dem Kamerahandy andere Badegäste ablichten. Eine unbegründete Befürchtung. Was ein echter Spanner sein will, wird sich niemals mit pixeligen Miniaturbildchen zufrieden geben. Leistungsfähige Kleinstkameras gibt es längst, ebenso unscheinbare Teleobjektive.
Die Kamerahandys ihrerseits bieten eine so bescheidene Bildqualität, dass sie als Spionagewerkzeug nichts taugen und auch bei unverdächtigem Gebrauch kaum Spass aufkommt. Mit 30 Kilobyte, die eine MMS-Nachricht maximal haben kann, lassen sich nur niedrig aufgelöste Fotos übertragen. Da muss der Ferngebliebene froh sein, wenn er auf der Handyfotografie des lebhaften Familienfests Opa und Oma auseinander halten kann. Kommt dazu, dass die Low-End-Qualität einen High-End-Preis hat: Nach der Einführungsphase wird bei Swisscom ein MMS 80 oder 120 Rappen kosten.
Es ginge auch anders. Viel versprechender als die Zwitter aus Handy und Kamera wären Mobiltelefone, die sich Fotos von «richtigen» Digitalkameras holen können – beispielsweise drahtlos via Bluetooth-Funktechnologie – und zu einem fairen Preis verschicken. Die digitalen Fotoapparate von Nikon, Canon, Fuji, Minolta oder Sony fangen Bilder ein, die einen echten Erinnerungs- und Dokumentationswert haben und in der Ferne weilende Freunde und Verwandte ohne Wenn und Aber an wichtigen Ereignissen teilhaben lassen.
Nur weil sich die SMS-Kids noch so gern per Handyrechnung von ihrem Taschengeld trennen, ist das kein Grund, sie mit einer unausgegorenen Technologie zu schröpfen.

