Das günstige Filmschneiderlein

MovieXone ist ein Freeware-Programm zum Filmschneiden am PC.

Von Matthias Schüssler

Nicht mit süssem Mus, sondern mit einem märchenhaften Download-Angebot lockt die Aist MediaLab AG die Surfer: Von der Homepage des deutschen Unternehmens darf zum Nulltarif ein Programm für die Filmbearbeitung heruntergeladen werden. MovieXone heisst Aists Fliegenfänger und macht aus dem PC eine Schnittstation. Das Programm ist nicht so leistungsfähig wie die käuflich zu erwerbenden Produkte des Herstellers, bietet aber alle Funktionen, die nötig sind, um etwa einen Beitrag für die lokale TV-Station zusammenzuschneidern. Voraussetzung: Verständnis für die Funktionsweise des digitalen Filmschnitts und genügend Rohmaterial für eigene Experimente. Wer keine Filmkamera besitzt, kann zu Testzwecken auch mit Filmclips aus dem Internet arbeiten.

Patchwork aus Bild und Ton

Was der Grimmschen Märchengestalt Nadel und Faden war, ist dem Cutter die Timeline. Sie enthält mehrere Spuren, auf denen der Schnittmeister per Maus Filmszenen oder Tonelemente ablegt und in den gewünschten Ablauf bringt (dies wird Editing genannt). In MovieXone stehen für diese Arbeit zwei Video- und Audiospuren zur Verfügung, weiter eine Spur für Überblend- und andere Spezialeffekte.

Neben dem Editing sind in MovieXone auch raffinierte Montagetricks wie sich überlagernde Bildsequenzen, Masking oder sogar Bewegungen im dreidimensionalen Raum möglich (im Fachjargon als Compositing bezeichnet). Für die Steuerung von Effekten ist der so genannte Zeitpunkteinsteller entscheidend.

Damit kann man wählen, welcher Ausschnitt der Szene im Vorschaufenster sichtbar ist und an welcher Stelle man seinen Film verändert. Effekteinstellungen erfolgen immer zeitabhängig bei einem Schlüsselbild (englisch Keyframe).

Hat man die Funktionsweise kapiert, sind verblüffende Effekt mit wenigen Mausklicks realisiert, beispielsweise ein in die Szene einfliegendes Standbild. MovieXone bietet einen guten Einblick in das faszinierende, aber auch komplexe Gebiet des Videoschnitts am PC. Das Programm eignet sich für lernwillige Filmfreaks, die sich fragen, ob die Bearbeitung von bewegten Bildern als neues Hobby in Frage kommt. Wer nach ersten Tests digitales Filmblut geleckt hat, sei jedoch gewarnt: Eine digitale Videokamera, die schnellste Computerhardware und Profisoftware wie Adobe Premiere oder FinalCut Pro von Apple bedeuten eine radikale Abmagerungskur fürs Sparsäuli.

Download (13,2 MB) und Dokumentation:
www.aist.de/products/moviexone/moviexone.html

SCREEN TA

Nicht Wams oder Hose, sondern Filme fügt MovieXone zusammen.

Quelle: Tages-Anzeiger, Montag, 22. Januar 2001

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Nr: 3629
Ausgabe: 01-122
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