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Das Ende der Röhre

FLACHBILDSCHIRME / Es besteht Grund zur Hoffnung, dass wir Computerbenützer bald nicht mehr unter Beschuss einer Kathodenröhre arbeiten müssen und uns ständig die Elektronen um die Ohren fliegen. Denn: Die flachen LCD-Displays kommen.

Matthias Schüssler und Martin Spaar

Sie sehen auch wirklich gut aus, diese neuen Flachbildschirme – sowohl ausgeschaltet als in Betrieb. Die Abkehr von der Bildröhre eröffnet den Gerätedesignern neue Möglichkeiten und macht auf einen Schlag den Schreibtisch grösser: Sechs bis sieben Zentimeter misst ein 17 Zoll-LCD-Monitor in der Tiefe (15 Zentimeter mit Fuss). Ein vergleichbarer Röhrenmonitor dagegen im Minimum 40 Zentimeter. Wen wundert’s da, dass die Hersteller die neuen LCDs gern auch im «Profil» zeigen.

Doch damit ist das Hauptargument pro LCD noch gar nicht gefallen: Die Bildqualität. Diese ist schlicht exzellent; Konvergenz – und Geometriefehler ein für alle Mal passe. Die Anzeige flimmert bei keiner Bildwiederholfrequenz – auch nicht, wenn die Grafikkarte bloss unergonomische 60 Hertz produziert.

Aktiv-Matrix-TFT

Bei den meisten heute erhältlichen Flachbildschirmen kommt die sogenannte Aktiv-Matrix-TFT-Technologie zum Einsatz. Diese Technologie hat im Vergleich zu der Passivmatrix-Technologie den Vorteil, dass sie weniger träge ist und der Cursor bei Mausbewegungen keine Schattenspur hinter sich herzieht. Bei Aktiv-Matrix-Bildschirmen steht hinter einem jeden Flüssigkristall-Bildpunkt ein eigener Dünnfilmtransistor («Thin film transistor», kurz TFT), der direkt adressiert und in hohem Takt betrieben werden kann. Allerdings: Ein einziger defekter Transistor (von 2 359 296 bei einer Auflösung von 1024×768 Pixeln) auf einem TFT-LCD reicht aus, diesen unbrauchbar zu machen, denn niemand goutiert einen Pixel, der permanent in der falschen Farbe leuchtet. Der hohe Ausschuss verursacht die Preise von immer noch über 3000 Fr.

Ein kleiner Nachteil gegenüber den Kathodenröhren haben die LCD-Displays allerdings: Optimal können sie nur in einer Auflösung betrieben werden, für die sie gebaut wurden. Muss eine niedrigere Auflösung «herbeiskaliert» werden, entstehen hässliche Treppeneffekte.

Preise sinken weiter

Die Preise werden weiter fallen. Branchenkenner rechnen damit, dass im Jahr 2000 ein LCD-Monitor anderthalb mal soviel kostet wie ein Röhrenmonitor – und erstere damit für jedermann erschwinglich sind. Und auch die Grafikkartenhersteller reagieren auf den neuesten Trend: Die Adapter werden künftig auch mit einer digitalen Schnittstelle ausgerüstet sein. Damit entfällt die Umwandlung der Bilddaten in ein analoges Signal, was die Grafikverarbeitung beschleunigt und der Bildqualität entgegenkommt.

Analog-Dinosaurier sterben aus

Der Markt dürfte also schon bald reif sein für die Ablösung der Röhrenbildschirme, dieser analogen Dinosaurier in unserer digitalen Welt. Vor allem bei Unternehmen mit Grossraumbüros wiegt das Argument der geringeren Gerätegrösse bei Anschaffungsentscheiden ebenso stark wie die reduzierte Wärmeabstrahlung: Die Mehrkosten für die Geräte spart man bei der Miete und bei der Klimaanlage. So werden beispielsweise schon heute bei den Banken die Arbeitsplätze von Börsen-Maklern im grossen Stil mit LCD-Monitoren ausgerüstet.

Quelle: Handelszeitung, Freitag, 8. Mai 1998

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Thema: Marktübersicht Flachbildschirme
Nr: 210
Ausgabe: 98-15
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